Wie Schwenningens Rathaus in den 20er Jahren zum architektonischen Wahrzeichen wurde
Philipp NetteWie Schwenningens Rathaus in den 20er Jahren zum architektonischen Wahrzeichen wurde
Der Stadtrat von Schwenningen genehmigte in den 20er Jahren trotz knapper Haushaltsmittel nach dem Ersten Weltkrieg den Bau eines neuen Rathauses. Die Entscheidung fiel, da das alte Gebäude von 1851 den Anforderungen der rasant wachsenden Stadt nicht mehr gerecht wurde. Mit dem Entwurf eines modernen Ersatzbaus wurde der Architekt Hans Herkommer beauftragt, der an der Stuttgarter Schule ausgebildet worden war.
Die Industrialisierung der 20er Jahre trieb das Wachstum Schwenningens voran und überforderte das bestehende Rathaus. 1926 beauftragte der Stadtrat Herkommer schließlich mit der Planung eines Gebäudes, das Verwaltung, öffentliche Dienstleistungen und repräsentative Funktionen vereinen sollte. Sein Entwurf umfasste zwei markante Fassaden: einen prächtigen Haupteingang zur Kirche hin sowie sieben Arkaden, die sich zum Marktplatz öffneten.
Um den laufenden Verwaltungsbetrieb aufrechtzuerhalten, erfolgte der Bau in Abschnitten. 1927 wurde der erste Teil fertiggestellt, doch bei Inspektionen zeigten sich schwere Mängel an der alten Bausubstanz, die schließlich abgerissen werden musste. Trotz Kostenüberschreitungen von etwa 220.000 Reichsmark wurde der Bau fortgesetzt. Am 30. Juni 1928 weihte Bürgermeister Dr. Lang von Langen das fertige Rathaus feierlich ein – ein Meilenstein für die Stadt.
Der endgültige Entwurf bewahrte Teile des Erdgeschosses des alten Gebäudes, verband jedoch Funktionalität mit Repräsentation. Herkommers klar liniengeführte Gestaltung machte das neue Rathaus zu einem bleibenden architektonischen Wahrzeichen.
Das Rathaus vereinte Schwenningens Stadtverwaltung erstmals unter einem Dach. Seine Fertigstellung spiegelte das Wachstum und den Aufbruchgeist der späten 20er Jahre wider. Noch heute zählt das Gebäude zu den prägenden Elementen des städtischen Erbes.