Wie ein Bauer und eine Ölmühle aus Kartoffelüberschüssen eine Erfolgsgeschichte machen
Bernhardine RörrichtWie ein Bauer und eine Ölmühle aus Kartoffelüberschüssen eine Erfolgsgeschichte machen
Kluge Kooperation: Ein deutscher Bauer und eine Ölmühle machen aus Kartoffelüberschüssen eine Tugend
Christian Schempp aus Pfullendorf und Jürgen Belthle von den Ölfreunden in Thiergarten haben sich zusammengetan, um Kartoffeln gemeinsam mit Speiseöl zu verkaufen. Mit dieser Aktion wollen sie Lebensmittelverschwendung verringern und gleichzeitig die Umsätze beider Betriebe steigern.
Die deutsche Kartoffelernte erreichte 2025 mit 13,4 Millionen Tonnen einen 25-Jahres-Rekord – deutlich mehr als die 10 bis 11 Millionen Tonnen im Jahr 2023. Die enorme Erntemenge führt zu einem Überangebot, mit dem viele Bauern kämpfen. Schempp warnt, dass ein Großteil seiner Kartoffeln bis April oder Mai aufgrund von Keimbildung verdirbt, ein häufiges Problem, wenn die Lagerkapazitäten erschöpft sind.
Um die Überschüsse abzubauen, starteten Schempp und die Ölfreunde ein einfaches Angebot: Zu jedem Kauf von Speiseöl gibt es einen fünf Kilogramm schweren Sack Kartoffeln gratis dazu. Die Logistik übernimmt die Ölmühle, die die Kartoffeln bei Bestellungen ab 10 Euro mitliefert. Der Bauer bringt seine Ernte direkt zur Mühle und erhält einen fairen Preis pro Sack.
Die Aktion zeigt bereits Wirkung – die Verkaufszahlen beider Partner sind deutlich gestiegen. Das Beispiel beweist, wie Direktvermarktung aus einem Überangebot eine Chance machen kann. Unterdessen wachsen Deutschlands Kartoffelflächen weiter: 2025 wurden über 300.000 Hektar angebaut, Teil eines EU-weiten Trends mit insgesamt 608.000 Hektar.
Die Zusammenarbeit zeigt, wie regionale Unternehmen Marktprobleme kreativ lösen können. Durch die Kombination von Kartoffeln und Öl haben Schempp und die Ölfreunde Abfall reduziert und gleichzeitig ihre Einnahmen gesteigert. Angesichts der weiter wachsenden Kartoffelproduktion könnten ähnliche Initiativen in ganz Deutschland Schule machen.