20 December 2025, 05:29

Weltpolitik im Sportstadion

Kinder spielen Schach in einem Wettbewerb, während Erwachsene im Hintergrund und an den Seiten zuschauen.

Weltpolitik im Sportstadion

Weltpolitik in der Turnhalle

Teaser: Beim deutschen Turnfinale startet die Russin Melnikowa doch nicht – angeblich aus Sicherheitsgründen. Der Israeli Dolgopyat darf laut Statuten antreten.

28. November 2025, 03:12 Uhr

Das Finale der Deutschen Turnliga am 29. November findet ohne die Olympische Meisterin von 2021, Angelina Melnikowa, statt. Die russische Turnerin, die für den TSV Tittmoning-Chemnitz unter Vertrag stand, wurde kurzfristig von den Wettkämpfen zurückgezogen. Die Entscheidung traf der Verein Chemnitz mit Verweis auf Sicherheitsbedenken für alle Beteiligten.

Der Schritt erfolgt zu einer Zeit, in der der seit 2012 dominierende MTV Stuttgart weiterhin mit den Folgen von Misshandlungsvorwürfen gegen ehemalige Trainer konfrontiert ist. Chemnitz selbst bleibt in dieser Saison ungeschlagen und hat alle vier bisherigen Wettkämpfe gewonnen.

Die Auslassung Melnikowas bestätigte Chemnitz-Trainerin Gabi Frehse mit der Begründung, man habe „aus Rücksicht auf die Sicherheit unserer Turnerinnen, Trainer und des gesamten Finales“ gehandelt. Die Russin war trotz umstrittenen Social-Media-Posts, in denen sie Russlands Invasion in der Ukraine unterstützte, vom Internationalen Turnverband (FIG) als „neutrale Athletin“ zugelassen worden. Rechtliche Bedenken gegen ihre Teilnahme gab es laut den Regeln des Deutschen Turner-Bundes (DTB) nicht.

Ihre Verpflichtung durch Chemnitz hatte zunächst für Diskussionen gesorgt, doch ihr Rückzug macht das Finale zwischen dem Serienmeister MTV Stuttgart und dem Bündnis Tittmoning-Chemnitz nun offener. Stuttgart, seit 2012 unangefochtener Titelträger, steckt derzeit in einem Skandal um ehemalige Trainer, denen Körperverletzung vorgeworfen wird. Auch Chemnitz sah sich in der Vergangenheit mit Vorwürfen konfrontiert, unter anderem wegen angeblich missbräuchlicher Trainingsmethoden.

Ein weiterer Top-Athlet, der Israeli Artem Dolgopyat, wird für die TG Saar antreten. Seine Teilnahme entspricht vollständig den Ligaregeln – während die FIG kürzlich die israelische WM-Delegation wegen Verstößen gegen Statuten in Indonesien ausgeschlossen hatte.

Das Finale findet nun ohne eine seiner prominentesten Namen statt. Melnikowas Fehlen beseitigt eine Schlüsselkonkurrentin und könnte das Kräfteverhältnis in einer Liga verändern, die lange von Stuttgart dominiert wurde. Mit Chemnitz’ makelloser Saisonbilanz und Sicherheitserwägungen, die die Teamaufstellungen prägen, bleibt der Ausgang des Wettkampfs ungewiss.