01 February 2026, 05:05

Warum Rinderblasen die Saublodere-Tradition im Karneval revolutionieren

Eine 17. Jahrhundert Schwarz-Weiß-Radierung von Albrecht Dürer, die einen Mann zeigt, der Schweine in einem Dorf füttert, mit Häusern, Bäumen und einem Wagen im Hintergrund.

Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Warum Rinderblasen die Saublodere-Tradition im Karneval revolutionieren

Der schwäbisch-alemannische Karneval in Baden-Württemberg hat eine markante Tradition: die Saublodere. Dabei handelt es sich um aufgeblasene Schweine- oder Rinderblasen, die an Schnüren oder Stöcken befestigt werden und beim Aufschlagen auf den Boden ein lautes Knallen erzeugen. Doch in den letzten Jahren greifen einige Zünfte zunehmend auf Rinderblasen zurück – wegen ihrer Größe, Haltbarkeit und Langlebigkeit.

Die Saublodere beginnt als einfache Schweine- oder Rinderblase, die von örtlichen Metzgern bezogen wird. Vor dem Gebrauch wird sie von Urin und Fett gereinigt, in Lake eingelegt, gewaschen und auf Mängel überprüft. Nur die robustesten Blasen werden ausgewählt, mit Druckluft aufgeblasen und dann mit Schwung auf den Boden geschlagen – das Ergebnis ist ein ohrenbetäubendes Knallen, das die Umstehenden aufschrecken lässt.

Traditionell stehen Schweineblasen im Karneval für Eitelkeit und Übermaß. Doch ihre geringe Größe und Empfindlichkeit haben einige Zünfte nach Alternativen suchen lassen. Rinderblasen, die größer und widerstandsfähiger sind, werden mittlerweile von manchen Gruppen bevorzugt. Sie halten mehreren Umzügen stand und sind damit eine praktische Lösung.

Regionale Unterschiede prägen die Tradition ebenfalls. In Rottenburg und anderen Karnevalshochburgen bestehen einige Zünfte weiterhin auf Schweineblasen – aus Gründen der kulturellen Authentizität. Andere setzen auf Langlebigkeit und entscheiden sich für Rinderblasen. Die Blasen werden oft an Holzstöcken befestigt, in manchen Fällen auch an getrockneten Stierpenissen – was das Spektakel noch eindrucksvoller macht.

Der Wechsel von Schweine- zu Rinderblasen spiegelt den Wandel innerhalb der Karnevalsvereine wider. Zwar bleibt die Tradition wichtig, doch praktische Erwägungen treiben die zunehmende Nutzung haltbarerer Alternativen voran. Die Saublodere bleibt jedenfalls ein lauter und lebendiger Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Feiern.