Stefan Raabs umstrittene Gil-Ofarim-Parodie entfacht neue Antisemitismus-Debatte
Mahmut UllmannStefan Raabs umstrittene Gil-Ofarim-Parodie entfacht neue Antisemitismus-Debatte
Der Rechtsstreit um den Musiker Gil Ofarim ist beendet, nachdem die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt hat. Die Affäre begann 2021, als Ofarim fälschlicherweise einen Hotelmitarbeiter der antisemitischen Belästigung beschuldigte. Nun hat ein jüngster TV-Auftritt des Komikers Stefan Raab die Kritik neu entfacht, nachdem er am Holocaust-Gedenktag mit antisemitischen Klischees den Sänger verspottete.
Im Oktober 2021 behauptete Ofarim, Opfer antisemitischer Beleidigungen durch einen Hotelangestellten in Leipzig geworden zu sein. Die Vorwürfe stellten sich später als haltlos heraus, lösten jedoch eine breite Debatte aus. Das Verfahren gegen Ofarim wurde schließlich gegen eine finanzielle Strafe eingestellt, deren Höhe nicht bekannt gegeben wurde.
Während seiner Teilnahme an Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! (RTLs Dschungelcamp) weigerte sich Ofarim, über den Fall zu sprechen, und berief sich auf eine Vertraulichkeitsvereinbarung. Mitbewohner drängten ihn zunächst auf Antworten, ließen das Thema jedoch bald fallen. Auch die Produktionsfirma ging nicht weiter darauf ein.
Am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, sendete Stefan Raab eine Sonderfolge seiner Show mit einer Comedy-Einlage über Ofarim. Der Sketch umfasste einen fingierten Wettbewerb namens Geld oder Gil, Aufnahmen von ultraorthodoxen Juden, die zu Ofarims Musik tanzten, sowie Witze über ein angebliches Betrüger-Gen, das von einem erfundenen Onkel Samuel vererbt worden sei. Raab behauptete zudem, Ofarims Lieder seien nur in der jüdischen Gemeinschaft erfolgreich. RTL nahm den Clip später offline und räumte ein, er hätte zu Missverständnissen führen können.
Die Aktion löste scharfe Kritik aus: Beobachter warfen Raab – einer der bekanntesten TV-Persönlichkeiten Deutschlands – vor, antisemitische Stereotype für humoristische Zwecke instrumentalisiert zu haben. Ofarim hingegen, eine weniger prominente Figur, hatte bereits Jahre zuvor mit seinen falschen Anschuldigungen Gegenwind erntet.
Die Kontroverse zwingt RTL nun, sich von Raabs Beitrag zu distanzieren, während Ofarims juristischer Fall abgeschlossen bleibt. Der Vorfall zeigt, wie öffentliche Persönlichkeiten – unabhängig von ihrem Status – in Debatten über Antisemitismus und Verantwortung geraten können. Raab setzt unterdessen seine Karriere fort, während Ofarims Medienpräsenz mit dem Ende des Dschungelcamps allmählich verblasst.