Proteste bei Carmen-Premiere: Scala-Besucher empören sich über drastische Ticketpreiserhöhungen
Adriane BoucseinProteste bei Carmen-Premiere: Scala-Besucher empören sich über drastische Ticketpreiserhöhungen
Proteste stören Premiere von Verdis Carmen an der Mailänder Scala
Die Uraufführung von Giuseppe Verdis Carmen an der Mailänder Scala wurde von Protesten überschattet. Aus den oberen Rängen regnete es Flugblätter, während Zuschauer ihren Unmut über stark gestiegene Ticketpreise zum Ausdruck brachten. Die Empörung spiegelt die wachsende Frustration unter den treuen Stammgästen wider.
Die Preise für 36 Plätze in der zweiten Galerie sind um über 30 Prozent gestiegen. Abo-Karten, die einst 800 Euro kosteten, schlagen nun mit 1.050 Euro zu Buche. Besonders hart trifft es die Loggionisti – die engagierten Stammbesucher der oberen Ränge.
Die Leitung der Scala relativierte die Kritik. Nur ein kleiner Teil der Plätze sei betroffen, betonten sie. Im Durchschnitt falle die Erhöhung moderat aus: Ein Platz in der Galerie kostet in der Spielzeit 2025–26 noch 45,56 Euro, im folgenden Jahr dann 46,94 Euro.
Das Theater gilt bereits als das teuerste Europas, nur vom Salzburger Festspiele übertroffen. Trotz eines Überschusses in der Bilanz verweisen die Verantwortlichen auf anstehende Tarifverhandlungen und Werkstattverlegungen als Gründe für die Anpassung. Zehn Jahre lang waren die Preise nicht erhöht worden, und Intendant Fortunato Ortombina versprach, unter seiner Führung keine weiteren Steigerungen vorzunehmen.
Die Preiserhöhung stößt auf scharfe Kritik. Die Zeitung La Stampa warnte, die Scala drohe, zu einer Veranstaltung für wohlhabende Touristen zu verkommen und dabei ihre kulturelle Seele zu verlieren. Die Leitung besteht darauf, dass die Änderungen notwendig seien, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und die Zukunft des Theaters zu sichern.






