Oktoberfest-Fluch: Wenn die Wiesn für Anwohner zur Hölle wird
Bernhardine RörrichtOktoberfest-Fluch: Wenn die Wiesn für Anwohner zur Hölle wird
Für Martin Stanek ist das Leben in der Nähe des Münchner Oktoberfests zu einer jährlichen Belastungsprobe geworden. Das 16-tägige Volksfest, das in diesem Jahr vom 20. September bis zum 5. Oktober stattfindet, bringt Menschenmassen, Lärm und unerwartete Herausforderungen direkt vor seine Haustür. Zwar schätzt er die lebhafte Atmosphäre, doch das Chaos, der Dreck und das rücksichtslose Verhalten betrunkener Besucher haben die letzten drei Jahre für ihn zur Zerreißprobe gemacht.
Stanek hat die weniger glamourösen Seiten des Fests am eigenen Leib erfahren. Während der Wiesn stolpert er regelmäßig über Betrunkene, die bewusstlos auf dem Gehweg liegen. Noch schlimmer: Vor seiner Haustür findet er immer wieder Urin und Kot, die einen starken, unangenehmen Gestank verbreiten. Ein Nachbar versuchte einmal, seinen Vorgarten abzuzäunen – vergeblich.
Das Fest lockt auch prominente Gäste an. Stanek hat bereits die Kaulitz-Brüder gesichtet, dazu betrunkene Wirte und Fußballer, die direkt vor seiner Tür torkelnd in Taxis stiegen. Trotz des Trubels hat er die Vorfälle nie bei der Polizei gemeldet. Er zweifelt, dass sich dadurch etwas ändern würde, und will die Gegend nicht verlassen.
Stattdessen hofft er auf eine stärkere Polizeipräsenz, um die Menschenmassen besser zu kontrollieren und für mehr Ordnung zu sorgen. Der erste Montag nach dem Fest fühlt sich für ihn stets wie eine Erlösung an, auch wenn er dann doch ein wenig Wehmut verspürt, wenn der Rummel vorbei ist.
Das Oktoberfest bleibt ein Großereignis für München und zieht Jahr für Jahr Millionen Besucher an. Für Anwohner wie Stanek jedoch hallen die Auswirkungen des Fests noch lange nach, wenn das letzte Bierfass geleert ist. Ohne strengere Regeln werden Lärm, Vermüllung und öffentliches Urinieren für die Menschen vor Ort wohl weiter zum Alltag gehören.