Europas Industrie warnt vor Standortrisiken durch explodierende ETS-Kosten
Philipp NetteEuropas Industrie warnt vor Standortrisiken durch explodierende ETS-Kosten
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben sich in einem Brief an die EU-Spitze wegen der steigenden Kosten durch das Emissionshandelssystem (ETS) gewandt. Das Schreiben, gerichtet an den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, und den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides, warnt vor Risiken für den industriellen Standort Europa. Zu den Unterzeichnern zählen Konzerne wie ArcelorMittal, BP, BASF und ThyssenKrupp.
Nach den EU-Vorgaben müssen Industrieanlagen Verschmutzungszertifikate erwerben, um Treibhausgase ausstoßen zu dürfen. Während früher ein Teil der Zertifikate kostenlos vergeben wurde, müssen die meisten nun auf dem Markt gekauft werden. Dies hat die Kosten in die Höhe getrieben – besonders dann, wenn Unternehmen ihre Emissionen langsamer reduzieren, als die verfügbaren Zertifikate schrumpfen.
In dem Brief heißt es, die Rahmenbedingungen für die industrielle Transformation seien unzureichend. Als zentrale Hindernisse werden mangelnde Infrastrukturen für Strom, Wasserstoff sowie für den Transport und die Speicherung von CO₂ genannt. Die Unternehmen kritisieren zudem, dass das Emissionshandelssystem nicht mehr mit den globalen Realitäten im Einklang stehe, da Europa allein steigende CO₂-Kosten durchsetze.
Mit dem EU-Klimapaket „Fit for 55“ wurden die kostenlosen Zertifikatszuteilungen teilweise gestrichen, um strengere Klimaziele zu erreichen. Die Einnahmen aus dem System fließen in Klimamaßnahmen wie den Ausbau von Wasserstoffnetzen. Um Wettbewerbsnachteile abzufedern, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein – eine Abgabe auf kohlenstoffintensive Importe, die für Länder mit eigenen Emissionshandelssystemen Ausnahmen vorsieht.
Die Industrieunternehmen fordern nun rasches Handeln bei der anstehenden Reform des Emissionshandels. Sie verlangen einen Stopp der weiteren Kostenerhöhungen und Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu schützen. Der Brief drängt auf schnelle Anpassungen der CO₂-Preisregeln, betont den Bedarf an besserer Infrastruktur und einem ausgewogeneren Umgang mit dem globalen Wettbewerb. Ohne Kurskorrekturen, so die Warnung, drohe dem europäischen Industriestandort ein dauerhafter Schaden.






