Erlangen verbietet "problematische Partylieder" auf der Bergkirchweih – und spaltet die Stadt
Philipp NetteErlangen verbietet "problematische Partylieder" auf der Bergkirchweih – und spaltet die Stadt
Der Erlanger Stadtrat hat Maßnahmen ergriffen, um bestimmte Lieder vom jährlichen Bergkirchweih-Volksfest zu verbieten. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die über unerwünschte körperliche Berührungen und Unbehagen mit der im vergangenen Jahr gespielten Musik berichtete. Die Behörden haben nun eine Liste mit Titeln erstellt, die als sexistisch oder beleidigend eingestuft werden – eine Entscheidung, die unter Einheimischen und Künstlern gleichermaßen für Diskussionen sorgt.
Auslöser war ein Vorfall im Jahr 2021, als eine Festivalbesucherin anzeigte, von aggressiven Männern begrapscht worden zu sein. Zudem kritisierte sie die Texte mehrerer Lieder als anstößig. Daraufhin verurteilte der Stadtrat – mit Unterstützung mehrerer Parteien – Musik, die „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ enthält.
Die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, wurden damit beauftragt, sogenannte „problematische Partylieder“ zu prüfen. Ihre Bewertung führte zu einer schwarzen Liste, auf der selbst satirische Stücke wie Skandal im Sperrbezirk landen. Ziel ist es, eine sicherere und inklusivere Atmosphäre bei der diesjährigen Veranstaltung zu schaffen, die in der Regel fast eine Million Besucher anzieht.
Doch die Entscheidung stößt auf Widerstand. Viele Wirte zweifeln an der Wirksamkeit der Liste und fragen sich, ob ein Liedverbot tatsächlich das Verhalten ändern wird. Gleichzeitig äußern einige Künstler Bedenken, unter den neuen Richtlinien in Deutschland aufzutreten, da sie Einschränkungen bei ihren Setlists befürchten.
Die schwarze Liste ist nun in Kraft, doch ihre Auswirkungen bleiben ungewiss. Die Festivalveranstalter müssen den Wunsch nach traditionellen Hymnen mit der Haltung der Stadt zu anstößigen Inhalten in Einklang bringen. Mit fast einer Million erwarteter Gäste ist die Debatte über Musik und Sicherheit beim Bergkirchweih noch lange nicht beendet.






