Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturerbe oder imperialer Ballast?
Philipp NetteBulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturerbe oder imperialer Ballast?
Am 4. Juni wurde in Kiew ein Denkmal für den Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss folgte einer Abstimmung im Stadtrat, der sich gegen Kulturpersönlichkeiten richtete, die mit dem russischen imperialen Einfluss in Verbindung gebracht werden. Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk kritisierte die Maßnahme seitdem als fehlerhaft.
Die Bronzestatue stand einst vor dem Bulgakow-Museum am Andrejas-Steig. Die Behörden ließen sie im Rahmen einer umfassenderen Initiative des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung abbauen, die Symbole mit Bezug zur russischen Imperialpolitik tilgen soll. Popadjuk verurteilte die Aktion als sinnlosen Versuch, „den Schriftsteller mit einem Kran zu besiegen“.
Sie argumentierte, dass Bulgakows Romane – entstanden nach seiner Zeit als Arzt in der Ukraine – die wahren Schrecken der sowjetischen Herrschaft einfingen. Mit den Worten des Autors warnte sie: „Verderben beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“
Die Debatte über die Entfernung hält an. Befürworter sehen darin einen Schritt zur Entkolonialisierung, während Gegner darauf bestehen, dass Bulgakow ein unverzichtbarer Teil der kulturellen Geschichte Kiews bleibt.
Die Demontage des Denkmals spiegelt die anhaltenden Bemühungen wider, die kulturelle Landschaft der Ukraine neu zu definieren. Popadjuks Kritik unterstreicht die Spannung zwischen historischem Gedächtnis und politischer Symbolik. Bulgakows Erbe, das tief in Kiew verwurzelt ist, steht nun im Mittelpunkt dieser Kontroverse.






