Antifeministische Angriffe: Wie Gleichstellungsbeauftragte um ihre Sicherheit kämpfen
Mahmut UllmannAntifeministische Angriffe: Wie Gleichstellungsbeauftragte um ihre Sicherheit kämpfen
Antifeminismus breitet sich in Deutschland als organisierte politische Bewegung aus
Wer sich für Gleichberechtigung einsetzt, sieht sich zunehmend mit Feindseligkeit konfrontiert – von Vandalismus bis hin zu persönlichen Drohungen. Auf einem jüngst in Lübeck abgehaltenen Kongress trafen sich 70 Gleichstellungsbeauftragte, um Strategien gegen diesen Rückschlag auszutauschen.
Der Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Lübeck stand unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“. Die Teilnehmenden diskutierten Wege, um der wachsenden Opposition gegen Frauen- und queere Rechte entgegenzutreten. Politische Unterstützung bleibt jedoch schwach – selbst die Bundesfrauenministerin sagte ihren geplanten Auftritt ab.
Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte nehmen zu Eine Umfrage unter 350 Beauftragten ergab, dass 63 Prozent bereits antifeministische Angriffe am Arbeitsplatz erlebt haben. Fast die Hälfte von ihnen war innerhalb von nur zwei Jahren mehrfach betroffen. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, dass nach einem öffentlichen Statement zu einem brisanten Thema Rechtsextreme vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Auch öffentliche Symbole der Gleichstellung geraten ins Visier. Orangefarbene Bänke – Teil der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen geschlechtsspezifische Gewalt – wurden in Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler beschädigt. In Osnabrück wurde die Bank mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden gestohlen, in Annweiler der Aufdruck so verändert, dass er Gewalt gegen Frauen verherrlichte.
Die Meldestelle Antifeminismus verzeichnete allein 2024 bereits 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Die Beauftragten berichten nicht nur von körperlichen Angriffen, sondern auch von Budgetkürzungen, digitaler Hetze und offener Feindseligkeit. Trotz dieser Herausforderungen lag der Fokus des Kongresses auf dem Aufbau von Netzwerken, um den Widerstand zu stärken.
Der Kongress endete mit einem Appell zu größerer Solidarität unter den Gleichstellungsbeauftragten. Ohne stärkere politische Rückendeckung wird ihre Arbeit jedoch zunehmend erschwert. Die Vandalismuswelle, die Drohungen und die Kürzungen zeigen: Es braucht dringend Gegenmaßnahmen gegen antifeministische Kampagnen.






