Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage feiert rauschhafte Premiere in Wien
Bernhardine RörrichtAngélica Liddells radikale Mishima-Hommage feiert rauschhafte Premiere in Wien
Angélica Liddells neueste Produktion Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben feierte am Donnerstag, dem 29. Februar 2024, im Wiener Volkstheater Premiere. Das Stück ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die sich in diesem Jahr mit den Themen Leben, Tod und dem Makabren auseinandersetzen.
Liddell lässt sich stark vom Leben und Werk des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima inspirieren, der 1966 in einem Kurzfilm seinen eigenen rituellen Selbstmord inszenierte, bevor er sich 1970 durch Seppuku – die traditionelle japanische Form des Harakiri – das Leben nahm. Sein Einfluss prägt ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und Leid auf der Bühne.
Die Inszenierung verbindet Elemente des Nō-Theaters mit westlicher Performance-Kunst. Sie umfasst eine Nachstellung von Mishimas Seppuku, ekstatische Verteidigungen des Suizids und schlaglichtartige Einwürfe schwarzem Humors. Liddell und eine Mitperformerin mischen zudem ihr eigenes Blut auf der Bühne – eine radikale, körperliche Dimension des Stücks.
Ihre Arbeit taucht tief in die Leben und Tode Fremder ein, oft vermittelt durch deren Kleidung. Diese Produktion knüpft an ihre eigene Erfahrung an: Am 7. Januar 2024 wurde Liddell in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau. Sie kanalisiert das Leid der Toten und schafft so ein rohes, konfrontatives Erlebnis für das Publikum.
Die Premiere ist ein gewagter Beitrag zu den Wiener Festwochen 2024. Die Verschmelzung von Ritual, Theater und persönlichem Trauma bietet eine schonungslose Reflexion über den Tod. Das Publikum sieht sich mit den Grenzen zwischen Kunst, Schmerz und Dasein konfrontiert.






