Albaniens zerrissenes Paradies: Flamingos, Kushner und politische Intrigen
Philipp NetteAlbaniens zerrissenes Paradies: Flamingos, Kushner und politische Intrigen
Albanien, ein kleines Balkanland an der Adria, steht derzeit im internationalen Fokus. Mit pinkfarbenen Flamingo-Ausschnitten winkende Demonstranten auf einer geschützten Insel sorgten für Schlagzeilen, während die politische Spannung wegen eines umstrittenen Investitionsvorhabens stieg.
Das Vjosa-Narta-Delta, Heimat seltener Flamingos, Pelikane und Schildkrötenbrutstätten, wurde 2023 zu Europas erstem Nationalpark für Wildflüsse erklärt. Trotz seines Schutzstatus kündigte Jared Kushner, der Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, nach dessen Bewerbung für die Wiederwahl 2024 Pläne für ein Milliardenprojekt mit Luxusresort auf der Insel an.
Die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama verlieh einem mit Kushner verbundenen Unternehmen den Status eines „strategischen Investors“ – angeblich unter Verzicht auf Steuern, Ausschreibungen und Umweltprüfungen. Albanische Antikorruptionsbehörden leiteten daraufhin Ermittlungen zu dem Deal ein. Rama warf zudem dem Iran vor, die Proteste anzustacheln, und beschuldigte das Land des Cyberterrorismus sowie der Feindseligkeit gegenüber Freiheit.
Albanien, ein mehrheitlich muslimisches, aber säkulares NATO-Mitglied, beherbergt seit 2013 Tausende Exilanten der Volksmudschaheddin (MEK), die aus dem Irak umgesiedelt wurden. Als EU-Beitrittskandidat wird das Land von europäischen Führungskräften genau beobachtet – besonders vor dem Hintergrund der Debatten über Sanktionen gegen Israel.
Die Resort-Pläne und die politischen Spannungen zeigen Albaniens Gratswanderung: Einerseits will das Land seine Bedeutung für westliche Verbündete unter Beweis stellen, andererseits steht es wegen Umwelt- und Korruptionsvorwürfen in der Kritik. Die Ermittlungen zum Kushner-Deal und den angeblichen iranischen Einmischungen in die Proteste laufen noch.






