05 February 2026, 09:10

60 Jahre nach der Uraufführung: Wie ein Stück die NS-Verbrechen unvergesslich macht

Eine Karikatur einer Gerichtsszene mit einer Gruppe von Menschen, die auf einem Stuhl sitzen und ein Mann in der Mitte steht, ein Tisch mit verschiedenen Gegenständen auf der rechten Seite und ein Text am unteren Rand, der 'Boney's Trial, Sentence and Dying Speech Europe's Injuries Revenged' lautet.

60 Jahre nach der Uraufführung: Wie ein Stück die NS-Verbrechen unvergesslich macht

60 Jahre nach der Uraufführung

Das Stück konzentrierte sich auf Zeugen- und Überlebendenberichte und legte schonungslos das erschütternde Ausmaß an Unmenschlichkeit offen. Es beleuchtete die vielschichtigen Rollen der Beteiligten – manche zur Mittäterschaft gezwungen, andere aus purem Selbsterhaltungstrieb handelnd. Zu den grausamen Schilderungen gehörten die Beschreibung eines Kindes, das gegen eine Wand geschleudert wurde, sowie einer schwangeren Frau, der Gift injiziert worden war.

Die Inszenierung verzichtete auf theatralische Effekte und setzte stattdessen auf schlichte, aber wuchtige Darstellungskraft des gesprochenen Wortes. Szenen rekonstruierten Verhöre und Gerichtsverhandlungen und spiegelten so die historischen Prozesse wider. Verweise auf Folterinstrumente wie Wilhelm Friedrich Bogers berüchtigte 'Sprechmaschine' verstärkten den unerbittlichen Realismus der Aufführung.

Nach der Vorstellung reagierte das Publikum mit zurückhaltendem, fast stummem Applaus. Das Stück ist Teil umfassender Bestrebungen, die aktive Erinnerungskultur in öffentlichen Einrichtungen und im Alltag zu verankern.

Die Neuinszenierung im Stuttgarter Landtagsgebäude markierte eine bewusste Rückkehr zu den Ursprüngen des Stücks. Durch die konfrontative Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anhand direkter Zeugnisse sollte sichergestellt werden, dass diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten. Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung von Kunst als Medium der historischen Gedächtnisbewahrung.