19 April 2026, 12:27

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys zögerlich ehrte – trotz jahrelanger Zensur

Schwarz-weißes Foto eines großen Raums mit Tischen, Stühlen, Säulen, Bögen und Kronleuchtern, beschriftet mit "Festival der Gesellschaft der Freunde, Berlin" unten.

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys zögerlich ehrte – trotz jahrelanger Zensur

1988 zeigte die DDR ihre erste und einzige Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys – zwei Jahre nach dessen Tod. Die unter dem Titel "Beuys vor Beuys" laufende Schau war von Mitte Januar bis Mitte Mai an zwei Orten zu sehen. Sie markierte einen seltenen Moment, in dem die Kulturinstitutionen der DDR einen Künstler würdigten, den sie jahrelang als politisch unerwünscht abgelehnt hatten.

Jahre lang war Joseph Beuys von der sozialistischen Führung der DDR als "unerwünschte Person" eingestuft worden. Sein Ruf als gesellschaftlich engagierter Künstler und Demokrat machte ihn zum Ziel staatlicher Zensur. Selbst nach seinem Tod 1986 blieben die Verantwortlichen misstrauisch gegenüber seinem Einfluss.

Doch die DDR konnte sein Erbe nicht länger ignorieren. Es begannen Verhandlungen, um die Ausstellung "Beuys vor Beuys" ins Land zu holen. Die Schau präsentierte 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten – alle zwischen 1946 und 1966 entstanden, also aus einer Phase, bevor Beuys international bekannt wurde.

Eröffnet wurde die Ausstellung zunächst im Berliner Marstall, bevor sie an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst weiterzog. Die Organisatoren achteten jedoch peinlich darauf, Beuys' spätere Rolle als Demokrat und Aktivist mit keinem Wort zu erwähnen. Selbst Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, betonte in einem Schreiben an das ZK der SED zwar die Bedeutung des Künstlers – allerdings nur innerhalb enger ideologischer Grenzen.

Die Ausstellung von 1988 bot einen kontrollierten Einblick in Beuys' frühes Schaffen, blendete aber bewusst sein politisches Vermächtnis aus. Sie blieb die einzige offizielle Präsentation seiner Kunst in der DDR vor dem Mauerfall. Das Ereignis spiegelte sowohl das anhaltende Misstrauen des Staates gegenüber seinen Ideen als auch die widerwillige Anerkennung seiner kulturellen Bedeutung wider.

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