Wie 700 E-Autos in Baden-Württemberg das Stromnetz revolutionieren
Mahmut UllmannWie 700 E-Autos in Baden-Württemberg das Stromnetz revolutionieren
Ein wegweisendes Pilotprojekt in Baden-Württemberg zeigt, wie private Elektroautos das Stromnetz stabilisieren können
In Baden-Württemberg hat ein bahnbrechendes Pilotprojekt demonstriert, wie private Elektrofahrzeuge zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen können. Über 700 Haushalts-Elektroautos nahmen an dem bis März 2026 laufenden Vorhaben teil. Die Initiative mit dem Namen OctoFlexBW ist die erste ihrer Art in Deutschland – in keinem anderen Bundesland sind derzeit ähnliche Tests geplant.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und dem Energielieferanten Octopus Energy. Ihre Systeme – die DA/RE-Plattform und die KrakenFlex-Flexibilitätsplattform – steuerten gemeinsam die Ladezeiten der Fahrzeuge. Durch die Anpassung von Ladezeitpunkten und -geschwindigkeiten konnten die Partner dem Netz in Spitzenlastzeiten zusätzliche Flexibilität bieten.
Die Teilnehmer legten ihren gewünschten Ladegrad und die Frist fest, während das System den Prozess auf Basis von Strompreisen und Netzbedingungen optimierte. Trotz der Anpassungen berichteten die Fahrer von keinen Einschränkungen im Komfort – im Gegenteil: Sie sparten sogar Geld durch günstigere Stromtarife. Die Flotte von 700 Elektroautos stellte täglich etwa zwei Megawattstunden Flexibilität bereit und bewies damit die Machbarkeit des Konzepts.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Skalierung erhebliche Auswirkungen haben könnte. Würden eine Million Elektroautos eingebunden, könnten sie täglich mehrere Gigawattstunden Flexibilität liefern – genug, um einen großen Teil des deutschen Redispatch-Bedarfs zu decken. Das Projekt unterstrich zudem die Notwendigkeit angepasster Regularien und forderte ein marktbasiertes System namens "Redispatch 3.0", um dezentrale Energiequellen besser zu nutzen.
OctoFlexBW hat gezeigt, dass private Elektroautos ohne Beeinträchtigung für die Besitzer einen praktischen Beitrag zur Netzstabilität leisten können. Da kein anderes Bundesland ähnliche Projekte verfolgt, bleibt der baden-württembergische Versuch vorerst einzigartig. Die Erkenntnisse könnten jedoch den Weg für eine breitere Einführung ebnen – mit dem Potenzial, Redispatch-Kosten zu senken und die Abhängigkeit von fossilen Kraftwerken zu verringern.






