"What's up with Karsten?"-Meme: Wie ein TV-Moment sein Leben für immer veränderte
"What's up with Karsten?"-Meme: Wie ein TV-Moment sein Leben für immer veränderte
Karsten Wöllner – der Mann hinter dem viralen "What's up with Karsten?"-Meme – hat sich erstmals ausführlich zu dem Vorfall geäußert, der ihn zum Internetphänomen machte. In einem aktuellen YouTube-Video des Kanals Kannemilsch schildert er, wie ein TV-Moment aus dem Jahr 2007 – bei dem er aufgrund von Unterzuckerung zusammenbrach – jahrelange Spottwellen und Belästigungen auslöste. Seine Geschichte zeigt auch, welche langfristigen Folgen das Meme für ihn hatte und wie er sich schließlich mit diesem ungewöhnlichen Erbe arrangierte.
Der Ursprung des Memes liegt in einer Aufnahme der Sendung Wildes Wohnzimmer aus dem Jahr 2007. Wöllner, der an Diabetes erkrankt ist, spürte plötzlich, wie sein Körper "wie eine Notbremsung" reagierte, als sein Blutzuckerspiegel abstürzte. Die Kameras hielten fest, wie er taumelnd gegen eine Wand prallte – eine Szene, die Jahre später als Grundlage für das "What's up with Karsten?"-Meme diente. Als das Video 2018 viral ging, wurde er wider Willen zur Internetfigur "Drachenlord".
Die Folgen waren sofort und schonungslos. Online-Hetzkampagnen wie "Drachengamez" führten zu Doxxing, realen Konfrontationen vor seinem Haus im rheinland-pfälzischen Altschauerberg und unerbittlichem Spott. Wöllner gab zu, dass ihn das Meme zunächst zermürbte – besonders, als Schüler die Szene nachstellten oder Scherzbolde sich als Anwälte ausgaben und die Löschung der Aufnahmen forderten. Rechtliche Schritte erwiesen sich als teuer und wirkungslos, weshalb er sich schließlich damit abfand, dass das Meme bleiben würde.
Mit der Zeit wandelte sich die öffentliche Wahrnehmung. Eine 2020 gestartete Petition mit dem Titel "Rettet den Drachen" sammelte über 100.000 Unterschriften und forderte ein Ende der Schikane. Die Unterstützung wuchs weiter, als der YouTuber Rezo 2021 ein Benefizkonzert für Wöllner organisierte. Rechtliche Erfolge folgten: 2022 verhängten Gerichte Geldstrafen und Kontaktverbote gegen Stalker. Medienberichte zwischen 2023 und 2025 thematisierten seine psychischen Belastungen und lösten eine breitere Debatte über Cybermobbing aus – wenn auch vereinzelte Vorfälle bis 2025 anhielten.
Heute blickt Wöllner auf verpasste Chancen zurück. Er bedauert, die Reichweite des Memes nicht genutzt zu haben, um über Diabetes aufzuklären oder eigene Inhalte zu schaffen. Zudem wünscht er sich im Nachhinein, das Fernsehteam hätte in der synchronisierten Fassung der Sendung seinen medizinischen Zustand erklärt – vielleicht hätte das die Rezeption der Szene verändert. Damals zeigte sich das Team zwar solidarisch: Man zeigte ihm das Rohmaterial vor der Ausstrahlung und half ihm nach dem Vorfall.
Wöllners Geschichte verdeutlicht, wie ein kurzer, unfreiwilliger Moment zu Jahren der öffentlichen Bloßstellung führen kann. Zwar brachte die erste Welle des Memes vor allem Hass mit sich, doch spätere Initiativen – von Petitionen bis zu juristischen Schritten – halfen, die Diskussion über digitale Hetze neu zu rahmen. Sein Fall bleibt ein Lehrstück über die langfristigen Folgen viraler "Berühmtheit" und den langsamen, ungleichmäßigen Fortschritt hin zu mehr Verantwortung im Netz.
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