01 January 2026, 14:57

Vom Gefängnis zum Regierungsgebäude: Mainzer Geschichte neu geschrieben

Schienen verlaufen entlang einer Straße mit einem Zug, der Text anzeigt, einer Person in der Nähe, kleinen Pfählen mit Seilen auf der linken Seite, Straßenlaternen, Bäumen, vielen Menschen im Hintergrund, einem Müllcontainer auf der linken Seite und Gebäuden mit Leitern auf der rechten Seite.

Vom Gefängnis zum Regierungsgebäude: Mainzer Geschichte neu geschrieben

Das Mainzer Gefängnis – vom Untersuchungsgefängnis zum Regierungsgebäude

Das Mainzer Gefängnis, einst ein zentrales Untersuchungsgefängnis in der Altstadt der Stadt, schloss 2002 nach Jahrzehnten des Betriebs seine Tore. Die Anlage, bekannt für ihre engen Zellen und prominenten Häftlinge, wurde später zu einem Regierungsgebäude umfunktioniert. Auch der benachbarte Bahnhofplatz hat tiefgreifende Veränderungen erlebt: Das alte Central Hotel Eden wich modernen Neubauten.

Das Gefängnis im Isenburg-Karree beherbergte in seinen Mauern rund 300 Inhaftierte unter beengten Verhältnissen. Jede Zelle maß nur acht Quadratmeter, die Fenster waren so hoch angebracht, dass die Gefangenen keinen Blick nach draußen hatten. Im Laufe der Jahre saßen hier berüchtigte Persönlichkeiten ein, darunter der „Wormser Hammer-Mörder“ und ein ehemaliges Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF).

Nach der Schließung 2002 wurden die Häftlinge in die neue Justizvollzugsanstalt Rohrbach bei Wöllstein verlegt. Das verlassene Gefängnis stand jahrelang leer, bis es 2009 einer umfassenden Sanierung unterzogen wurde. Anschließend diente es als Verwaltungsgebäude für den Landtag Rheinland-Pfalz. Hendrik Hering, damals Präsident des Landtags, bezog die renovierten Räumlichkeiten. Heute sind dort sein Büro sowie Teile der Landtagsverwaltung untergebracht.

Nur wenige Schritte entfernt hat sich auch der Bahnhofplatz gewandelt. Noch in den frühen 1990er-Jahren prägte das Central Hotel Eden das Bild des Platzes, vor dem Straßenbahnen hielten. Eine davon warb für Babyland, einen Babyfachmarkt in Ingelheim, der später unter dem Namen BabyOne bekannt wurde. Heute steht an der Stelle des alten Hotels das AC by Marriott Hotel sowie das Restaurant Adam und Eden.

Aus dem einstigen Gefängnis wurde ein Regierungsstandort – ein markanter Wandel von der Haftanstalt zum Verwaltungszentrum. Der Bahnhofplatz wiederum entwickelte sich vom Verkehrs- und Hotelknotenpunkt der 1990er-Jahre zu einem modernen Gastgewerbestandort. Beide Orte spiegeln den strukturellen Wandel wider, den Mainz in den vergangenen drei Jahrzehnten durchlaufen hat.