TV-Debatte in Baden-Württemberg: Özdemir glänzt, CDU bleibt stabil – die AfD nutzt die Bühne ungestört
Mahmut UllmannTV-Debatte in Baden-Württemberg: Özdemir glänzt, CDU bleibt stabil – die AfD nutzt die Bühne ungestört
Die erste Fernsehdebatte vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg fand diese Woche statt – mit fünf Spitzenkandidaten und einem Vertreter der AfD. Ausgerichtet von der Industrie- und Handelskammer Baden-Württemberg (IHK) drehte sich die Diskussion um zentrale Themen wie Bürokratieabbau, Energieversorgung und den Fachkräftemangel. Doch der erwartete Schlagabtausch zwischen den Spitzenkandidaten von CDU und Grünen blieb weitgehend aus.
Sowohl Manuel Hagel (CDU) als auch Cem Özdemir (Grüne) zeigten sich in den zentralen Fragen zurückhaltend und fanden teilweise zu ähnlichen Positionen. Özdemir, der im Wahlkampf verstärkt auf seine persönliche Marke setzt, hat kürzlich eine politische Biografie mit dem Titel „Cem Özdemir – Brücken bauen“ veröffentlicht, verfasst gemeinsam mit Johanna Henkel-Waidhofer und Peter Henkel. Die Buchpräsentation, kombiniert mit einem rekordlangen sechsstündigen Podcast-Auftritt, unterstreicht seine Strategie, seine hohe Popularität auszuspielen – aktuell würden ihn 41 Prozent der Wähler direkt unterstützen, während Hagel nur auf 14 Prozent kommt.
Eine live erstellte Wortwolke des Publikums zeigte gemischte Reaktionen: Die Namen „Hagel“ und „Cem“ waren ebenso präsent wie fachpolitische Begriffe. Özdemir bemerkte selbst, dass ihn die Nähe seines Namens zu „AfD“ in der Wortwolke zum Nachdenken bringen sollte. Markus Frohnmaier von der AfD nutzte die Bühne unterdessen unangefochten, um zu behaupten, seine Partei stehe für eine gezielte Fachkräftezuwanderung.
Trotz eines neun Punkte Rückstands in den Umfragen setzt Özdemirs Kampagne auf eine „meisterhafte“ Debattenleistung, um die Wahl noch zu drehen. Die für den Zeitraum zwischen Dezember 2025 und 2026 geplanten Veranstaltungen zur Biografie deuten auf eine langfristige Strategie hin, seine Sichtbarkeit hochzuhalten.
Am Ende blieb die Debatte ohne klaren Sieger – beide Hauptkontrahenten mieden direkte Konfrontationen. Während Özdemir auf persönliche Strahlkraft setzt, profitiert die CDU weiterhin von stabilen Umfragewerten. Die ungehinderte Darstellung der AfD zur Migrationspolitik blieb hingegen unwidersprochen. Nun kommt es darauf an, ob die Grünen mit ihrer Strategie die Lücke bis zum Wahltag noch schließen können.