Südwestdeutschland feiert mit jahrhundertealten Faschingsbräuchen und spektakulären Traditionen
Bernhardine RörrichtFaschingssturm trifft Rottweil - wild, bunt und unerschütterlich - Südwestdeutschland feiert mit jahrhundertealten Faschingsbräuchen und spektakulären Traditionen
Südwestdeutschland feiert diese Woche mit farbenfrohen Faschingsbräuchen
Tausende Menschen haben in dieser Woche im Südwesten Deutschlands die vorösterlichen Karnevals- und Faschingstraditionen der Region gefeiert. Trotz kühler Temperaturen füllten sich die Straßen mit Feiernden, die an Veranstaltungen teilnahmen, die von jahrhundertealten Bräuchen geprägt sind. Das Programm reichte von waghalsigen Akrobatikvorführungen bis zu aufwendigen Umzügen – jeder mit dem einzigartigen kulturellen Erbe der jeweiligen Gegend.
Ein Höhepunkt war in Rottweil der traditionelle Narrensprung (Narren-Sprung), bei dem kostümierte Reiter und Blasorchester bei Tagesanbruch durch das Schwarze Tor der Stadt stürmten. Tausende Zuschauer säumten die Straßen, um das Spektakel zu verfolgen – darunter wagten einige mit langen Holzstangen spektakuläre Stangenweitsprünge, eine Tradition, für die Rottweil berühmt ist.
Später am Tag setzten sich die Feierlichkeiten in Schramberg fort. Dutzende verkleidete Gruppen ließen sich in verzierten Holzbütten die Schiltach hinabtreiben und brachten damit eine verspielte Note in den Tag.
Die Karnevalsbräuche der Region könnten unterschiedlicher nicht sein: Im Rheinland prägen Veranstaltungen wie der Rosenmontagszug strukturierte Umzüge mit militärisch anmutenden Uniformen und politischer Satire – geprägt von französischen und preußischen Einflüssen. Der schwäbisch-alemannische Fasnet hingegen bewahrt ältere Traditionen wie hölzerne Larven, das Scheibenschlagen (feurige, durch die Luft wirbelnde Holzscheiben) oder die Narrenzünfte (Narrengilden), die bis ins Jahr 1549 zurückreichen. Viele der Kostüme, Häs genannt, werden mit aufwendig geschnitzten Masken kombiniert, die oft von lokalen Sagen, historischen Figuren oder Fabelwesen inspiriert sind.
In einigen Gebieten mischen sich auch Elemente des rheinischen Karnevals darunter, etwa mit Prinzessinnen, Prinzenpaaren und Tanzgruppen. Museen in Orten wie Kenzingen und Bad Dürrheim bewahren diese alemannischen Bräuche und sorgen dafür, dass ihr Erbe nicht in Vergessenheit gerät.
Die Feiern lockten große Menschenmengen und zeigten einmal mehr die anhaltende Faszination für diese regionalen Traditionen. Von atemberaubenden Kunststücken bis zu liebevoll gestalteten Kostümen spiegelten die Veranstaltungen die reichen kulturellen Unterschiede zwischen rheinischen und schwäbisch-alemannischen Bräuchen wider. Bis Aschermittwoch, wenn die Fastenzeit beginnt, dauern die Festlichkeiten noch an.






