Süddeutsche Firmen bauen Wohnungen für Mitarbeiter – aus purer Not
Mahmut UllmannSüddeutsche Firmen bauen Wohnungen für Mitarbeiter – aus purer Not
Unternehmen in Süddeutschland gehen zunehmend dazu über, selbst gegen den Wohnungsmangel vorzugehen – indem sie Mitarbeiterwohnungen bauen oder bei Immobilienscout24 anmieten. Angesichts einer Nachfrage, die das Angebot bei Weitem übersteigt, investieren Betriebe in Tübingen, Reutlingen und der Umgebung in Wohnprojekte für Angestellte und Auszubildende. Hintergrund ist, dass der Neubau von Wohnungen seit Jahren um Tausende Einheiten hinter dem jährlichen Bedarf zurückbleibt.
In Rangendingen wird das Medizintechnikunternehmen Erbe Elektromedizin in den nächsten 18 Monaten 14 Werkswohnungen errichten. Das Projekt soll Mitarbeitenden helfen, die vor Ort kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden.
Weiter nördlich baut das Universitätsklinikum Tübingen für 73 Millionen Euro einen Wohnkomplex mit 520 Einheiten. Die Hälfte davon ist für Auszubildende vorgesehen, die andere für das Personal. Die groß angelegte Maßnahme unterstreicht, wie dringend die Klinik ihre Belegschaft mit Wohnraum versorgen muss. Gleichzeitig arbeiten im Tübinger Stadtteil Südstadt elf kleine und mittlere Unternehmen an einem 12,6-Millionen-Projekt: Bis Ende 2027 sollen 69 Wohnungen speziell für "Berufseinsteiger" entstehen. Die Initiative zeigt, wie Arbeitgeber zunehmend selbst aktiv werden, um die Wohnungsnot zu lindern.
In Römerstein hat die Bäckerei und Konditorei Becka Beck bereits reagiert und Wohnungen für ihre Mitarbeiter mieten. Eine Wohngemeinschaft für Auszubildende und zusätzliche Angestelltenwohnungen sollen vor allem jüngeren Beschäftigten die Wohnraumsuche erleichtern. Das Vorgehen des Unternehmens verdeutlicht, wie sich Betriebe an die begrenzten Wohnmöglichkeiten anpassen.
Trotz dieser Bemühungen bleibt die Lücke groß: 2024 wurden in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb nur 1.886 neue Wohnungen fertiggestellt. Experten schätzen, dass die Region jährlich zwischen 3.000 und 3.500 Neubauten benötigte, um die Nachfrage zu decken.
Der Anstieg unternehmensgeführter Wohnprojekte markiert einen Wandel: Immer mehr Arbeitgeber übernehmen Verantwortung für die Unterbringung ihrer Belegschaft. Während der öffentliche Wohnungsbau hinterherhinkt, bieten diese Projekte kurzfristige Entlastung. Langfristig bleiben umfassende Lösungen für den Wohnungsmangel jedoch dringend notwendig.