Skandal um Appenweiers Bürgermeister: Whiskyflaschen, Machtmissbrauch und Forderungen nach Abwahl
Philipp NetteStreit um Bürgermeister - aber kein Kündigungsgrund - Skandal um Appenweiers Bürgermeister: Whiskyflaschen, Machtmissbrauch und Forderungen nach Abwahl
Bürgermeister von Appenweier: Viktor Lorenz steht wegen Fehlverdensvorwürfen in der Kritik
Der Appenweierer Bürgermeister Viktor Lorenz sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt, darunter Einschüchterung von Mitarbeitenden und Amtsmissbrauch. Der Fall hat die Debatte über die Rechenschaftspflicht von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern neu entfacht – mit Forderungen nach einem Abwahlverfahren. Angesichts jüngster Skandale in anderen deutschen Kommunen steht die Arbeit lokaler Führungskräfte ohnehin bereits unter verschärfter Beobachtung.
Lorenz, der 2024 mit über 53 Prozent der Stimmen gewählt wurde und dessen Amtszeit bis Februar 2032 läuft, geriet kurz nach Amtsantritt in die Kritik. Ihm wird vorgeworfen, Angestellte gedemütigt, seine Position ausgenutzt und offizielle Dokumente manipuliert zu haben. Kritiker verweisen zudem auf Unstimmigkeiten in den Akten des Rathauses – insbesondere im Zusammenhang mit Whiskyflaschen. Lorenz weist alle Vorwürfe zurück und betont, es fehle keine einzige Flasche. Eine Untersuchung ergab jedoch, dass fünf Flaschen nicht verzeichnet sind.
Ein Disziplinarverfahren gegen ihn wurde zwar eingestellt, doch erhielt er einen offiziellen Verweis wegen "alkoholbezogenen Verhaltens", das als unvereinbar mit dem Amt eines Bürgermeisters gilt. Die Ergebnisse werden nun dem Regierungspräsidium Freiburg vorgelegt, das ein Amtsenthebungsverfahren einleiten könnte. Nach geltendem Recht ist eine vorzeitige Abwahl von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern jedoch nicht möglich.
Der Skandal vertieft die Gräben in der Kommune: Lorenz' Stellvertreter sowie die Initiative Mehr Demokratie fordern ein Rücktritts- oder Abwahlverfahren. Sie argumentieren, dass Bürgermeister, die "unhaltbar" geworden seien, vorzeitig abberufen werden sollten. Ein kürzlich abgehaltenes Treffen sollte die Spannungen abbauen und die Zusammenarbeit verbessern – doch der Konflikt spiegelt eine breitere Unzufriedenheit wider. In den vergangenen fünf Jahren haben ähnliche Fälle in Sinzig, Bergisch Gladbach und Dernbach öffentliche Empörung, Shitstorms in sozialen Medien und Forderungen nach strengeren Ethikregeln in der Kommunalpolitik ausgelöst.
Nun liegt der Fall beim Regierungspräsidium Freiburg, das über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Lorenz entscheiden wird. Unabhängig vom Ausgang hat die Affäre die Rufe nach Reformen verstärkt – darunter mehr Transparenz und die Einführung von Abwahlmöglichkeiten. In anderen deutschen Städten sind Bürgermeister bereits unter öffentlichem Druck zurückgetreten oder abberufen worden.