Provokation und Genuss: *Sancta* polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart
Adriane BoucseinProvokation und Genuss: *Sancta* polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart
Tiefe Wunden und ein breites Grinsen: Die umstrittene Oper Sancta kehrt nach Stuttgart zurück
Teaser: Florentina Holzingers Opernperformance Sancta wird an der Staatsoper Stuttgart wiederaufgeführt. Wie sieht Dirigentin Marit Strindlund das kontroverse Stück?
Artikel: Florentina Holzingers provokante Oper Sancta kehrt in diesem Herbst an die Staatsoper Stuttgart zurück. Die Inszenierung, eine kühne Neuerfindung von Paul Hindemiths einst abgelehntem Werk Sancta Susanna, wird am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November aufgeführt. Die Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihr Wirken im experimentellen Musiktheater, leitet die Produktion und bezeichnet sie als hart, aber notwendig, um Debatten anzuregen.
Sancta dient als eine Art Wiedergutmachung für die ursprüngliche Ablehnung von Hindemiths Sancta Susanna im Jahr 1921 – ein Werk, das damals als zu umstritten galt. Holzingers Version geht noch weiter und sprengt Grenzen, indem sie Nacktheit, inszenierte Verletzungen und Körperaufhängungen nutzt, um Themen wie Schmerz und Widerstandskraft zu erkunden. Der lange Probenprozess ermöglicht es, bis kurz vor der Premiere neue Elemente einzubauen, was die Form der Aufführung unberechenbar macht.
Strindlund, die auf zeitgenössisches und experimentelles Musiktheater spezialisiert ist, beschreibt das Stück als eine spannende, aber unsichere Mischung aus Bühnenkunst. Sie räumt ein, dass die Bilderwelt intensiv ist, argumentiert jedoch, dass eine solche Radikalität notwendig sei, um Energie zu bewahren und Diskussionen auszulösen. Holzingers Einsatz von schwarzem Humor hilft dabei, die schweren Themen der Oper auszubalancieren und bietet Momente der Leichtigkeit zwischen den provokativen Szenen.
Im Kern hinterfragt Sancta die Rolle von Frauen in der christlichen Geschichte, wobei die Darstellerinnen durch extreme körperliche und symbolische Akte Selbstbestimmung zurückerobern. Der konfrontative Stil der Oper fordert das Publikum heraus und ehrt gleichzeitig den rebellischen Geist von Hindemiths Originalwerk.
Die Wiederaufführung von Sancta markiert einen bedeutenden Moment für die Staatsoper Stuttgart, in dem historische Kritik mit radikaler Performancekunst verschmilzt. Mit Strindlunds musikalischer Leitung und Holzingers kompromissloser Vision verspricht die Produktion einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Karten sind für die Vorstellungen im Oktober und November erhältlich.