Olaf Scholz verpasst Weiberfastnacht wegen politischer Pflichten an seinem Geburtstag
Adriane BoucseinOlaf Scholz verpasst Weiberfastnacht wegen politischer Pflichten an seinem Geburtstag
Bundeskanzler Olaf Scholz erlebte an Weiberfastnacht einen Termin-Konflikt der besonderen Art. Während im Rheinland und anderswo die Frauen den Karneval mit fröhlichem Treiben feierten, verbrachte er den Tag in einer nicht-öffentlichen Strategieklausur in der Nähe von Brüssel. Der Zeitpunkt war für ihn persönlich brisant: Sein Geburtstag, der 11. November, ist tief mit den Karnevalstraditionen seiner Heimatregion Sauerland verbunden.
Scholz wurde am 11. November 1955 geboren – ein Datum, das er als "bedeutsam für alle Karnevalsbegeisterten" bezeichnet. Im vergangenen Jahrhundert fiel sein Geburtstag gleich dreimal auf "runde Jahrhunderte", was dem Festtag zusätzlichen Glanz verlieh. Seine Wurzeln im ehemaligen Kurfürstentum Köln, genauer im Sauerland – einer Region, in der Karneval und Schützenfeste hochleben –, verbinden ihn besonders mit dieser Tradition.
Der Kanzler gibt seine rheinischen Bindungen offen zu und erwähnt etwa eine Großmutter aus Andernach, die die Karnevalskultur pflegte. Obwohl er lieber selbst gefeiert hätte, rief die Pflicht: Nach dem Brüsseler Treffen stand ein Austausch mit Teilen des Bundeskabinetts an – in der Hoffnung, etwas karnevalistische Leichtigkeit in die politischen Beratungen zu tragen.
Weiberfastnacht selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück, besonders im Rheinland und Sauerland. Seit dem 19. Jahrhundert übernehmen Frauen die Hauptrolle: Sie schneiden Männern die Krawatten ab und führen Umzüge an – ein spielerischer Angriff auf Autoritäten. Im Sauerland entwickelten sich aus lokalen Bräuchen wie den "Narrensprüngen" (Narrenhüpfen) frauendominierte Prozessionen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als fröhlich-feministische Tradition neuen Aufschwung erlebten.
Der Tag unterstrich einmal mehr Scholz' persönliche Verbindung zum Karneval – doch die Politik hatte Vorrang. Die Strategieklausur und die anschließenden Kabinettsgespräche fanden wie geplant statt, doch die ausgelassene Stimmung von Weiberfastnacht blieb spürbar abwesend. Für den Kanzler fügt sich mit dem 11. November und seiner Sauerländer Herkunft eine kulturelle Facette in sein öffentliches Bild ein.