"Miss Germany" 2024: Warum dieser Wettbewerb jetzt Führungskräfte statt Schönheiten sucht
Adriane Boucsein"Wir atmen auch durch die Nase" - "Miss Germany" mit Kopftuch - "Miss Germany" 2024: Warum dieser Wettbewerb jetzt Führungskräfte statt Schönheiten sucht
Deutschlands nächste "Miss Germany" wird an diesem Wochenende gekürt – nach einem Wettbewerb, der mit klassischen Schönheitswettbewerben wenig gemein hat. Neun Finalistinnen, ausgewählt aus über 2.600 Bewerberinnen, zählen unter anderem eine Biologin, eine Pressesprecherin der Bahn und zwei Frauen, die wegen ihres Tragens eines Hijabs Kritik erfahren mussten. Die Veranstaltung steht für einen Wandel: Statt äußerer Erscheinung werden nun Führungskraft und Innovationsgeist gefeiert.
Der Wettbewerb sorgt mit seinem modernen Ansatz für Aufmerksamkeit. Die Organisator:innen setzen nicht länger auf herkömmliche Schönheitsideale, sondern wollen vielmehr zukünftige Führungspersönlichkeiten ins Rampenlicht stellen – Frauen, die es in die Vorstände von DAX-Konzernen oder als erfolgreiche Unternehmerinnen schaffen könnten. Die diesjährigen Finalistinnen spiegeln diesen Wandel wider.
Unter ihnen ist Amelie Reigl, eine Biologin aus Würzburg, die in ihrem Labor menschliche Haut züchtet, um Tierversuche zu reduzieren. Ihr wissenschaftlicher Hintergrund hebt sich deutlich von einem Wettbewerb ab, der einst von Modeln und Glamour dominiert wurde.
Zwei weitere Teilnehmerinnen, Büşra Sayed und Amina Ben Bouzid, sahen sich mit Vorwürfen konfrontiert, nicht "deutsch genug" zu sein – allein weil sie ein Kopftuch tragen. Beide wehren sich gegen die Kritik und betonen ihre deutsche Identität. Sayed, die ein Modelabel für Frauen mit Hijab gegründet hat, scherzte sogar damit, deutsche Klischees zu bedienen – etwa das richtige Stoßlüften. Ben Bouzid, Finalistin in der Kategorie "Female Leader", unterstützt frauengeführte Marken dabei, ihre Unternehmen auszubauen.
Trotz rassistischer und sexistischer Kommentare – meist von Männern – lassen sich die beiden nicht beirren. Sie sehen ihre Teilnahme als Schritt nach vorn für all jene, die ähnliche Hintergründe und Werte teilen.
Beim Finale wird eine vielfältige Gruppe von Frauen im Mittelpunkt stehen, jede mit einzigartigen Leistungen. Die Siegerin wird eine neue Ära des Wettbewerbs einläuten – eine, die Ehrgeiz und Führungsstärke über klassische Pageant-Erwartungen stellt. Die Veranstaltung steht damit für einen größeren kulturellen Wandel, wie solche Wettbewerbe in Deutschland heute wahrgenommen werden.






