16 March 2026, 00:42

Milo Rau inszeniert fiktives AfD-Verbot in spektakulärem Theaterprozess

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktives AfD-Verbot in spektakulärem Theaterprozess

Hamburger Lessing-Tage enden mit spektakulärem Theaterprojekt: Tagesschau

Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage schließen mit einem gewagten Bühnenereignis: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. In dem fiktiven Prozess wird die brisante Frage einer möglichen Verbots der rechtspopulistischen AfD verhandelt.

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Das von Matthias Lilienthal kuratierte Festival steht in diesem Jahr unter dem Zeichen politischer und juristischer Debatten. Statt Schauspieler:innen übernehmen echte Jurist:innen und Rechtsexpert:innen die Prozessführung – unter dem Vorsitz der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Richterin. Für Rau ist es das erste theatrale Gerichtsverfahren in Deutschland, doch seine früheren Arbeiten wie Das neue Evangelium setzten sich bereits mit explosiven Themen auseinander, etwa der Verknüpfung religiöser Erzählungen mit den Kämpfen afrikanischer Geflüchteter.

Die Veranstaltung erstreckt sich über drei Tage und wird live auf der Website des Thalia Theaters übertragen. Seit ihrer Gründung 2010 durch den damaligen Intendanten Joachim Lux sind die Lessing-Tage eine Plattform für provokante kulturelle Diskurse. Raus Produktion führt diese Tradition fort, indem sie eines der umstrittensten politischen Themen Deutschlands in den Fokus rückt.

Raus Ansatz verbindet Theater mit realen juristischen Strukturen und zwingt das Publikum, sich mit drängenden gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Der Prozess folgt zwar echten Gerichtsverfahrensregeln, doch seine Ergebnisse haben symbolischen, nicht rechtlichen Charakter. Beteiligt sind Wissenschaftler:innen, Aktivist:innen und Jurist:innen, die eine fundierte Prüfung der AfD im Rahmen des deutschen Rechts gewährleisten.

Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland bildet den Höhepunkt der diesjährigen Lessing-Tage. Interessierte können die Verhandlung online verfolgen, da das Theater die Veranstaltung live streamt. Die Produktion unterstreicht Raus Ruf, Kunst mit brennenden politischen Konflikten zu verbinden.

AKTUALISIERUNG

Juryentscheidung offenbart geteilte Haltung zum AfD-Verbot

Der dreitägige Theaterprozess endete mit einer geteilten Jury-Entscheidung. Eine knappe Mehrheit stimmte für den Beginn eines AfD-Verfahrens, jedoch nicht für ein komplettes Parteiverbot. Es bildete sich keine Mehrheit für die Regulierung des Social-Media-Zugangs für unter 16-Jährige. Die symbolischen Urteile verdeutlichen tiefe gesellschaftliche Spaltungen über die politische und digitale Landschaft Deutschlands.