22 January 2026, 21:07

Maurizio Cattelan erhält überraschend den Preis der Nationalgalerie 2026

Ein lebendiges Wandgemälde eines Frauenkopfs auf einem Gebäude in Berlin, Deutschland, mit detaillierten Zügen und bunten Blautönen, Grüntönen und Gelbtönen, mit großem Text an der Wand.

Maurizio Cattelan erhält überraschend den Preis der Nationalgalerie 2026

Der Preis der Nationalgalerie Berlin hat Maurizio Cattelan als Preisträger für 2026 bekannt gegeben. Damit vollzieht die Auszeichnung eine deutliche Wende, denn traditionell ehrte sie junge Künstler unter 40 Jahren. Cattelan, eine weltweit anerkannte Persönlichkeit der Kunstszene, wird seine Werke im Rahmen einer Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie während der Berlin Art Week im September 2026 präsentieren.

Die Entscheidung hat Diskussionen ausgelöst, insbesondere weil sich der Preis damit von seinem ursprünglichen Fokus auf aufstrebende Talente entfernt.

Der Preis der Nationalgalerie wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um junge in Deutschland tätige Künstler zu fördern. Alle zwei Jahre würdigte er aufstrebende Namen wie Elmgreen & Dragset (2002), Monica Bonvicini (2005) oder Anne Imhof (2015). 2024 jedoch erweiterte der Preis sein Konzept und zeichnete erstmals mehrere Künstler gleichzeitig aus, wodurch der Wettbewerbscharakter in den Hintergrund trat.

Die Wahl Cattelans – eines etablierten Künstlers mit jahrzehntelangem Einfluss – deutet nun auf einen grundlegenden Wandel hin. Die Auszeichnung soll künftig Persönlichkeiten würdigen, deren Werk Berlins Kulturszene geprägt hat und internationale Strahlkraft besitzt. Cattelans anstehende Ausstellung wird sich mit seiner Rolle in den heutigen gesellschaftlichen und politischen Debatten auseinandersetzen.

Kritiker hinterfragen die Entscheidung, insbesondere vor dem Hintergrund gekürzter öffentlicher Kulturförderung und der schwierigen Sichtbarkeit junger Künstler. Gleichzeitig sorgt Cattelans umstrittenes Werk America – ein massives Gold-Klo im Wert von mehreren Millionen – für Gesprächsstoff, da es aktuell versteigert werden soll und damit die Diskussionen um Kunst, Reichtum und Zugang weiter anheizt.

Cattelans Verbindung zu Berlin reicht weit zurück: 2006 kuratierte er mit die Berlin Biennale, ein Ereignis, das den Ruf der Stadt als Hauptstadt der zeitgenössischen Kunst festigte. Seine Rückkehr im Rahmen des Preises 2026 unterstreicht diese langjährige Beziehung.

Der Preis der Nationalgalerie 2026 wird Cattelans Schaffen in einer großen Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie würdigen – zeitgleich zur Berlin Art Week, was für breite Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Während die Neuausrichtung des Preises etablierte Künstler in den Mittelpunkt rückt, wirft sie auch Fragen nach der Förderung des künstlerischen Nachwuchses in einem sich wandelnden Kulturförderungsgefüge auf.