29 January 2026, 21:31

Mannheim erinnert an NS-Opfer und die dunkle Rolle lokaler Vereine

Ein gerahmtes Plakat zum 70-jährigen Jubiläum des Kaiser-Huldigungsfestes in Berlin, Deutschland, mit einer Gruppe von Menschen in der Mitte und umgeben von Text und Zahlen.

Mannheim erinnert an NS-Opfer und die dunkle Rolle lokaler Vereine

Mannheim gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus mit Fokus auf lokale Vereine und ihre Rolle in der NS-Zeit

Am 27. Januar erinnerte Mannheim im Rahmen des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus an die Verantwortung lokaler Vereine während der NS-Diktatur. Im Mittelpunkt stand die Aufarbeitung, wie zahlreiche Organisationen mit dem Regime kollaborierten oder antisemitische Praktiken übernahmen. Redebeiträge und künstlerische Darbietungen prägten den Abend, während Jugendgruppen eigene Recherchen zu den Vereinsgeschichten präsentierten.

Die Gedenkveranstaltung eröffnete Oberbürgermeister Christian Specht mit einer Ansprache, in der er die prägende Rolle von Vereinen für das gesellschaftliche Leben betonte. Diese spiegelten oft das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft wider, so Specht. Er mahnte zu anhaltender Wachsamkeit gegen Ausgrenzung und Diskriminierung und rief die Vereine auf, ihre Vergangenheit kritisch zu hinterfragen.

Prof. Dr. Deborah Kämper, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim, thematisierte den weitverbreiteten Antisemitismus in Organisationen während der NS-Zeit. Sie schilderte, wie Jüdinnen und Juden nach den Novemberpogromen 1938 systematisch aus Vereinen und Sportverbänden ausgeschlossen wurden. Viele Vereine passten sich in den 1930er-Jahren aktiv an die NS-Strukturen an – sei es durch freiwillige Zusammenarbeit oder erzwungene Gleichschaltung.

Ein zentraler Bestandteil des Abends waren die Beiträge von vier Jugendorganisationen: die Mannheimer Jugendfeuerwehr, die DGB-Jugend Nordbaden, die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken und das Fanprojekt Mannheim stellten ihre Forschungsergebnisse zu NS-Verstrickungen vor. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Emilia Ohloff, Johanna Giebels und Julia Pohlmann, während Laura Gattner und Theodoros Argiantzis, die Vorsitzenden des Mannheimer Jugendrats, durch das Programm führten.

Specht dankte den Gruppen für ihr Engagement und unterstrich die Bedeutung der Auseinandersetzung mit historischen NS-Verbindungen. Besonders hob er den Rotary Club Mannheim hervor, der bereits früher die Verfolgung seiner jüdischen Mitglieder in jener Zeit aufgearbeitet hatte.

Die Gedenkveranstaltung verband historische Aufklärung, reflexive Auseinandersetzung und kulturelle Beiträge. Lokale Vereine wurden ermutigt, ihre Geschichte weiter zu erforschen und Diskriminierung entschlossen entgegenzutreten. Der Abend stand damit nicht nur als Mahnmal für die Mitläuferschaft in der NS-Zeit, sondern auch als Appell für Verantwortung in der Gegenwart.