Lärmschutzbericht zur A8 im Enztal: Bürgerinitiativen entdecken gravierende Datenlücken
Bernhardine RörrichtLärmschutzbericht zur A8 im Enztal: Bürgerinitiativen entdecken gravierende Datenlücken
Lärmschutzbericht zur A8-Ausbaustrecke im Enztal steht in der Kritik
Der Lärmschutzbericht für den Ausbau der A8 im Enztal ist auf scharfe Ablehnung gestoßen. Lokale Politiker und Bürgerinitiativen zweifeln seine Aussagekraft an und verweisen auf gravierende Abweichungen bei den Verkehrsprognosen. Die Zahlen der Stadt Pforzheim weichen deutlich von unabhängigen Erhebungen ab – mit Folgen für die künftige Lärmbelastung und Planungsentscheidungen.
Die Bürgerinitiative Leise A8 hat im städtischen Bericht "schwere Fehler" ausgemacht. Ihre eigene Messstation registrierte vor Veröffentlichung des Berichts täglich 1.800 bis 2.200 Lkw – deutlich mehr als in den offiziellen Schätzungen. Während die Stadt von 27.873 Lastwagen pro Tag ausgeht, rechnet die Initiative mit 32.000, der TÜV sogar mit 38.000 Fahrzeugen.
Auch beim übrigen Verkehr klaffen die Angaben auseinander: Die Stadt Pforzheim nennt 77.143 Pkw täglich, der TÜV hingegen 110.000. Zudem prognostiziert die Verwaltung ab 2025 ein jährliches Verkehrswachstum von nur 1 Prozent – aktuell liegt es jedoch bereits bei rund 2 Prozent.
Die im Plan vorgesehenen Lärmschutzwälle sollen den Schall um etwa 3 Dezibel (A) mindern. Doch dieser Effekt verringert sich, falls das Verkehrsaufkommen stärker steigt als angenommen. Die FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke und Carsten Schweickert warnen vor einem deutlichen nächtlichen Anstieg des Güterverkehrs, sobald der Enztaltunnel 2025 gesperrt wird.
Die SPD-Fraktion fordert zusätzliche Fachgutachten. Sie hält die Annahmen des Berichts für realitätsfern und verlangt Gespräche mit Leise A8 und weiteren Experten, um die Ergebnisse neu zu bewerten.
Die Verkehrsprognosen des Berichts geraten zunehmend unter Druck. Sollten sich die höheren Zahlen bestätigen, könnten die Lärmschutzmaßnahmen ihre Wirkung verfehlen. Der Vorstoß der SPD für eine breitere Expertenbeteiligung könnte die Entscheidungen zum A8-Ausbau verzögern oder grundlegend verändern.






