Landtagswahl in Baden-Württemberg: Frauenanteil steigt minimal auf 33,8 Prozent
Philipp NetteSo viele Frauen sitzen im neuen Landtag im Südwesten - Landtagswahl in Baden-Württemberg: Frauenanteil steigt minimal auf 33,8 Prozent
Baden-Württemberg verzeichnet leichten Anstieg des Frauenanteils nach Landtagswahl
Nach der jüngsten Landtagswahl ist der Anteil weiblicher Abgeordneter in Baden-Württemberg leicht gestiegen. Frauen stellen nun 33,8 Prozent der Sitze im Landtag – ein Plus von 0,9 Prozentpunkten gegenüber den vorherigen 32,9 Prozent. Die Veränderung geht auf eine Wahlreform aus dem Jahr 2021 zurück, die das bisherige Ungleichgewicht in der politischen Repräsentation der Geschlechter beheben sollte.
Vor 2021 hatte Baden-Württemberg unter allen deutschen Landesparlamenten den niedrigsten Frauenanteil. Das damalige System basierte stark auf 70 lokale Wahlkreise, in denen langjährige männliche Amtsinhaber – oft als Platzhirsche bezeichnet – die Kandidatenaufstellung dominierten. Landesweite Listen fehlten, und Direktmandate hatten Vorrang vor der Verhältniswahl, sodass die Parteizentralen kaum Einfluss auf die Aufstellung der Bewerber hatten.
Die Reform von 2021 führte ein Zweistimmensystem mit Landeslisten (Parteienlisten auf Landesebene) ein und verlagerte die Entscheidungsmacht von lokalen Netzwerken hin zu landesweiten Parteistrukturen. Ziel war es, die Geschlechtergerechtigkeit zu verbessern, indem die Parteien mehr Kontrolle über die Reihenfolge der Kandidaten erhielten. Bei der aktuellen Wahl besetzten Bündnis 90/Die Grünen, CDU und SPD jeweils die ersten zehn Listenplätze paritätisch mit Frauen und Männern. FDP und AfD hingegen platzierten deutlich weniger Frauen auf den vorderen Rängen.
Die Grünen gingen als stärkste Kraft aus der Wahl hervor und erhielten 30,2 Prozent der Zweitstimmen, knapp vor der CDU mit 29,7 Prozent. Die Wirkung der neuen Regeln zeigt sich bisher jedoch nur in geringem Maße: Der Frauenanteil im Parlament stieg um weniger als einen Prozentpunkt.
Die Reform hat den Landesparteien mehr Einfluss auf die Kandidatenauswahl gegeben und die Macht lokaler Strukturen zurückgedrängt. Zwar ist der Frauenanteil leicht gestiegen, doch bleibt der Effekt vorerst begrenzt. Die nächste Wahl wird zeigen, ob sich der Trend fortsetzt oder weitere Anpassungen notwendig sind.