Kim de l'Horizons Debütroman feiert packende Bühnenpremiere in Berlin
Adriane BoucseinKim de l'Horizons Debütroman feiert packende Bühnenpremiere in Berlin
Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman feiert Premiere vor ausverkauftem Haus in Berlins Vaganten Bühne
Eine Bühnenfassung von Kim de l'Horizons gefeiertem Debütroman hatte am Berliner Vaganten Bühne vor ausverkauftem Publikum Premiere. Die Inszenierung taucht ein in eine zutiefst persönliche Reise, die Familiengeschichte mit Themen genderfluider Identität und vererbtem Trauma verbindet. Drei Schauspieler:innen verleihen der Erzählerin Kim Leben – in einer Darstellung, die Schweigen und Scham herausfordert.
Das Stück verfolgt Kims Erkundung ihrer mütterlichen Abstammungslinie und deckt Geschichten auf, die unter einer Blutbuche begraben liegen – einem Baum, den ihr Urgroßvater einst pflanzte. Dieser Baum wird zum Symbol der Geborgenheit, während Kim sich mit transgenerationalen Traumata auseinandersetzt: erzwungene Abtreibungen, Massenvergewaltigungen, die sich durch die Generationen ziehen.
Auf der Bühne ist das Bühnenbild schlicht, doch eindringlich. Zerrissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln, die wie ungelöste Erinnerungen schwingen. Kims Körper, jenseits binärer Definitionen und unbegrenzt, wird von Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger verkörpert. Ihr gemeinsames Spiel spiegelt die Fließfähigkeit von Kims eigener Existenz wider.
Nach neunzig intensiven Minuten legen die Schauspieler:innen das "Große Meer" – eine Metapher für das geerbte Leid – zur Ruhe. Die Produktion, wie schon der 2022 mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnete Roman, sucht nach Wegen, Schweigen in Selbstakzeptanz zu verwandeln. Kims Weg ist einer der Rückeroberung von Handlungsmacht in einem genderfluidem Körper, der sich weder von Scham noch von starren Zuschreibungen einengen lässt.
Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, Kims rohe, poetische Erzählung auf die Bühne zu bringen. Indem das Stück historische Gewalt konfrontiert und Fließfähigkeit umarmt, schafft es einen Raum für Heilung und Neudefinition. Die ausverkaufte Vorstellung unterstreicht das starke Publikuminteresse an Geschichten, die konventionelle Grenzen sprengen.






