Kaufland testet Arzt-Praxis im Supermarkt gegen Ärztemangel auf dem Land
Philipp NetteSupermarkt testet Arzttermine zwischen Käse und Kasse - Kaufland testet Arzt-Praxis im Supermarkt gegen Ärztemangel auf dem Land
Supermarkt in Mosbach startet Pilotprojekt gegen Ärztemangel auf dem Land
Ein Supermarkt in Mosbach hat ein Pilotprojekt gestartet, um der wachsenden Knappheit an Hausärzten in ländlichen Regionen entgegenzuwirken. Im "S Medical Room" innerhalb eines Kaufland-Marktes können Patienten nun Videosprechstunden mit Ärzten wahrnehmen. Hinter der Initiative steht eine Kooperation zwischen der Schwarz Gruppe, zu der Kaufland gehört, und dem privaten Krankenhausbetreiber Sana.
Die Praxis fungiert als Außenstelle des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Neckarsulm. Die Räumlichkeiten und die technische Ausstattung stellt die Schwarz Gruppe bereit, während das medizinische Personal in das bestehende Gesundheitsnetz eingebunden ist. Patienten können Termine für kleinere Beschwerden wie Husten, Erkältungen oder Heiserkeit buchen – eine praktische erste Anlaufstelle vor einer persönlichen Behandlung.
Der Hausärzteverband Baden-Württemberg begrüßt das Projekt als sinnvolle Ergänzung in unterversorgten Gebieten. Die Vorsitzende Susanne Bublitz betonte jedoch, dass solche Angebote eng mit den örtlichen Hausärzten zusammenarbeiten müssten, um eine wirksame Versorgung zu gewährleisten. Gleichzeitig erfüllt das Mosbacher Modell noch einen inoffiziellen Zweck: Es soll zusätzliche Kunden in den Supermarkt locken. Nicht nur Kaufland erweitert sein Angebot um medizinische Dienstleistungen – auch andere Händler wie dm, Lidl und Rossmann planen, rezeptfreie Medikamente und Gesundheitsprodukte anzubieten.
Hintergrund des Trends ist eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die bundesweit über 5.000 unbesetzte Hausarztstellen ausweist – mit steigender Tendenz.
Das Pilotprojekt in Mosbach zeigt einen neuen Weg auf, wie medizinische Beratung in Regionen mit Ärztemangel zugänglicher werden kann. Durch die Kombination aus Supermarkt-Komfort und Telemedizin soll es Versorgungslücken im ländlichen Raum schließen. Das Modell könnte Schule machen, da immer mehr Unternehmen Gesundheitsdienstleistungen nutzen, um Kunden zu gewinnen.