Junge Union fordert radikale Rentenkürzungen und Abschaffung der Rente mit 63
Philipp NetteJunge Union will Anreize zur Frühverrentung reduzieren und Krankheitstage einführen - Junge Union fordert radikale Rentenkürzungen und Abschaffung der Rente mit 63
Die Junge Union (JU), die Jugendorganisation der deutschen CDU, drängt auf umfassende Reformen in den Bereichen Rente, Gesundheitswesen und Pflege. Ein detaillierter Antrag wird auf dem Parteitag im Februar 2026 in Stuttgart eingebracht. Die Vorschläge umfassen strengere Regeln für den vorzeitigen Renteneintritt, Änderungen beim Krankengeld sowie eine stärkere Ausrichtung der Pflegeversicherung auf private Finanzierung.
Das Zehn-Punkte-Programm der JU mit dem Titel "Reformjahr 2026 – Mut zur Entscheidung" zielt auf tiefgreifende Veränderungen im Rentensystem ab. Künftige Erhöhungen sollen sich an der Inflation statt am Lohnwachstum orientieren, was die Steigerungen für Rentner dämpfen würde. Der Nachhaltigkeitsfaktor, der die Renten an die wirtschaftliche Lage anpasst, soll wieder eingeführt und verdoppelt werden, um die Erhöhungen weiter zu begrenzen.
Der vorzeitige Renteneintritt würde durch die Pläne deutlich unattraktiver. Die Abschläge für langjährige Beitragszahler, die vor Erreichen des regulären Rentenalters Leistungen beziehen, stiegen von 0,3 % auf 0,6 % pro Monat. Die Option "Rente mit 63" würde komplett gestrichen – außer in nachgewiesenen Härtefällen.
Auch die Beitragssätze sollen sich künftig an der Familiengröße orientieren: Kinderlose würden höhere Abgaben zahlen, während Eltern Entlastungen erhalten könnten. Die JU fordert zudem stärkere Anreize für betriebliche Altersvorsorge und einen Ausbau staatlich geförderter Frühstarterprogramme.
Im Gesundheitsbereich will die Organisation die Kosten durch eine Reform des Krankengelds senken. Arbeitnehmer müssten künftig eine Wartezeit oder eine vorübergehende Kürzung der Leistungen zu Beginn einer Krankheit in Kauf nehmen. Atteste per Telefon würden abgeschafft, stattdessen wären persönliche Arztbesuche Pflicht. Diese Maßnahmen sollen die Fehlzeiten reduzieren und Einsparungen bringen.
Die Pflegeversicherung stünde vor einem grundlegenden Wandel: Ein neuer kapitalgedeckter Versicherungsfonds würde eingeführt, ergänzt durch eine verpflichtende private Zusatzversicherung. Geringverdiener erhielten staatliche Zuschüsse, um die Kosten zu tragen. Die JU setzt sich außerdem für eine stärkere Betonung der ambulanten gegenüber der stationären Pflege ein – hier werden jährliche Einsparungen von bis zu 8 Milliarden Euro erwartet.
Der Antrag wird auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart am 20. und 21. Februar 2026 beraten. Bei Annahme würden die Reformen eine deutliche Wende in der Finanzierung und im Zugang zu Rente, Gesundheitsversorgung und Pflege bedeuten. Im Mittelpunkt stehen Kostendämpfung, private Vorsorge und strengere Anspruchsvoraussetzungen.