Jörg Wagner startet nach RBB-Abschied seinen kritischen *Medienhölle*-Podcast
Bernhardine RörrichtJörg Wagner startet nach RBB-Abschied seinen kritischen *Medienhölle*-Podcast
Langjähriger radioeins-Moderator Jörg Wagner startet nach RBB-Ruhestand neuen Podcast
Der 66-jährige Journalist Jörg Wagner, bekannt für seine scharfsinnigen Medienkommentare, hat nach seinem erzwungenen Abschied vom Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) einen neuen Podcast gestartet. Nach 20 Jahren beendete er seine Karriere mit einer Abschiedssendung unter dem Motto „vorzeitige Beerdigung“ – ein weiterer Einschnitt in den anhaltenden Umstrukturierungsprozess des Senders.
Wagners letzte Folge des Medienmagazins lief am selben Tag an, an dem sein neuer Podcast Medienhölle Premiere feierte. Gemeinsam mit seinem Radiokollegen Philipp Nitzsche wird er weiterhin medienjournalistische Themen behandeln – allerdings nun mit redaktioneller Freigabepflicht, ein Zeichen für die strengere Kontrolle unter der aktuellen RBB-Führung.
Die Abschiedsfeier fand nicht im Büro der Intendantin, sondern auf der Dachterrasse der RBB Media statt – eine subtile Betonung der Distanz zwischen dem öffentlich-rechtlichen Sender und seiner Werbetochter. Zu den Gästen zählten Branchengrößen wie der ehemalige Business-Insider-Chefredakteur, Vertreter des BDZV und der langjährige Moderator Uli Zelle. Die meisten RBB-Spitzenkräfte blieben jedoch fern. Nur Kommunikationschef Justus Demmer zeigte sich – ein Indiz für die Unbehaglichkeit des Senders angesichts Wagners satirischem Abgang.
Auch das Medienmagazin fällt den Sparmaßnahmen zum Opfer: Künftig gibt es weniger Folgen, und die Sendung wird vorproduziert, um dem neuen Moderator mehr familienfreundliche Arbeitszeiten zu ermöglichen. Der frühere Chefredakteur David Biesinger, der eine andere Führungsposition erhalten hatte, glänzte durch Abwesenheit. Wagners Abschied reiht sich ein in eine Serie altersbedingter Verabschiedungen bei radioeins, wo mehrere langjährige Moderatoren als „zu alt“ aussortiert wurden. Sein Podcast Medienhölle soll seine kritische Stimme zwar weiter tragen – doch unter schärferer Aufsicht.
Mit Wagners Ausstieg entsteht eine Lücke in der RBB-Medienberichterstattung, doch sein Podcast sichert das Fortbestehen seiner Kommentare. Der Sender setzt seine Umstrukturierung fort: weniger Live-Formate, mehr vorproduzierte Inhalte. Medienhölle bleibt vorerst eine Plattform für seine ungeschönte Meinung – wenn auch mit neuen redaktionellen Vorgaben.