Grüne und CDU starten zähe Sondierung in Baden-Württemberg unter Spannungen
Bernhardine RörrichtGrüne und CDU starten zähe Sondierung in Baden-Württemberg unter Spannungen
Sondierungsgespräche zwischen Grünen und CDU in Baden-Württemberg beginnen unter angespannten Vorzeichen
Zwei Wochen nach der Landtagswahl haben die Grünen und die CDU in Baden-Württemberg in Stuttgart erste Sondierungsgespräche aufgenommen – doch die Stimmung bleibt belastet. Die Kampagnenzeit wirft noch ihre Schatten, zumal die Grünen als stärkste Kraft hervorgingen, während die CDU im Vergleich zu 2021 fast die Hälfte ihrer Wählerstimmen einbüßte.
Das erste Treffen fand in der Stuttgarter Fußgängerzone statt, wo die Delegationen beider Parteien aus entgegengesetzten Richtungen eintrafen. Drinnen hatten die Grünen für Getränke und Brezeln mit Butter gesorgt – eine kleine Geste in einer nach wie vor angespannten Atmosphäre. CDU-Innenminister Thomas Strobl geriet kurz mit Journalisten aneinander, ehe der Delegationsleiter Manuel Hagel ihn anwies, die Presse fernzuhalten.
Die CDU gibt sich als geschädigte Partei und wirft den Grünen vor, mit einer "Schmutzkampagne" ihre Wahlchancen bewusst untergraben zu haben. Diese Haltung nutzt die Union nun als Verhandlungshebel, um größere Zugeständnisse durchzusetzen – etwa mehr Ministerien, als den Grünen zugestanden werden sollen. Strobl unterschied dabei zwischen den von ihm so genannten "Kretschmann-Grünen", die er als pragmatischer einstuft, und den "Özdemir-Grünen", denen er weniger Verlässlichkeit unterstellt.
Hinter den Kulissen haben Cem Özdemir und Manuel Hagel bereits mehrere vertrauliche Gespräche geführt, um Vertrauen aufzubauen. Gleichzeitig berichtete Hagel von beleidigenden Nachrichten in sozialen Medien, wenn auch ohne konkrete Drohungen gegen seine Person oder Familie. Die geschwächte Position der CDU – ihr Stimmanteil sank von 44,2 Prozent 2021 auf 24,1 Prozent 2026 – zwingt sie nun in die Rolle des Juniorpartners und dazu, die Führungsrolle der Grünen bei der Regierungsbildung zu akzeptieren.
Beide Seiten schlossen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus, obwohl in anderen Bundesländern konservative Mehrheiten denkbar wären. Stattdessen steht die Bewältigung der Wirtschaftskrise im Mittelpunkt der Verhandlungen.
Die Gespräche knüpfen an die Tradition der Grün-Schwarzen Koalition an, doch die CDU geht diesmal deutlich geschwächt in die Verhandlungen. Nun geht es um die Verteilung der Ministerien und die inhaltlichen Schwerpunkte – mit den Grünen in der stärkeren Position. Das Ergebnis wird die Landesregierung Baden-Württembergs für die kommende Legislaturperiode prägen.






