08 February 2026, 15:19

Geisterzug Köln feiert 35 Jahre mit Protest und magischen Kostümen gegen Wohnungsnot

Eine Gruppe von Menschen geht eine Straße entlang neben einem Lastwagen mit bunten Luftballons, mit Schildern an der Straße und Bäumen und Gebäuden im Hintergrund, was auf eine Pride-Parade in Paris hindeutet.

Geisterzug Köln feiert 35 Jahre mit Protest und magischen Kostümen gegen Wohnungsnot

Kölner Geisterzug feiert 35. Jubiläum mit Protest und Phantasie

Der Kölner Geisterzug hat sein 35-jähriges Bestehen mit einer lebendigen Mischung aus Protest und Feier begangen. Tausende zogen durch die Straßen, verbanden politische Botschaften mit märchenhaften Kostümen und riesigen Puppen. Die unter dem lokalen Namen Geisterzug Köln bekannte Veranstaltung endete mit Livemusik und einem mystischen Treffen im Kulturzentrum Odonien.

Angeführt wurde der Umzug von Erich Hermans, verkleidet als Ähzebär – ein mythisches bärenartiges Wesen – und mit einem selbstgebauten Rummelpot-Instrument. Hermans gehörte 1993 zu den Gründern der organisierenden Gruppe Ähzebär un Ko e.V., nur zwei Jahre nach der ersten Auflage des Geisterzugs. In diesem Jahr stand die Route ganz im Zeichen der Wohnungsnot.

Teilnehmende trugen Kostüme, die den Kampf um bezahlbaren Wohnraum symbolisierten: Manche hatten Häuser als Kopfbedeckung, andere hielten Schilder mit der Aufschrift Mieterhöhung. Das Motto des Umzugs – Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Dom schlofe ("Höchste Zeit für eine andere Wohnungspolitik – wir können nicht alle im Dom schlafen") – gab dem Protest eine klare Richtung.

Neben den politischen Aussagen beeindruckte der Zug mit riesigen, verspielt-furchterregenden Schnappviechern: fantastische Kreaturen mit klappernden Kiefern, die mit klingelnden Glöckchen besetzt waren und hoch über der Menge thronten. Ein besonderer Hingucker war ein durchsichtiger Riesenkrake, komplett aus Plastikflaschen und -verschlüssen gefertigt. Geister, Hexen, Totenschädel und Seeungeheuer füllten die Straßen und verleihen dem Umzug eine unheimlich-spielerische Atmosphäre.

Der Abend klang im Odonien aus, wo eine Liveband unter einem Lichterbaldachin spielte. Die mystische Dekoration des Ortes passte perfekt zum Geist des Umzugs und bildete einen festlichen Abschluss des Abends.

Der 35. Geisterzug vereinte Kunst, Aktivismus und Gemeinschaft in Köln. Indem er Karnevalsstimmung mit Forderungen nach Wohnungsreform verband, rückte er lokale Sorgen in den Fokus – ohne dabei seine kreative Tradition aus den Augen zu verlieren. Veranstalter:innen und Teilnehmende sorgten dafür, dass der Umzug für alle offen blieb, und festigten so seinen Ruf als geliebtes jährliches Spektakel.