22 January 2026, 23:05

Gegensätzliche Demonstrationen in Reutlingen: Frieden vs. Vielfalt polarisieren die Stadt

Eine Gruppe von Menschen marschiert auf der Straße in Berlin, hält Schilder und Banner hoch, während einige Fahrräder fahren, vor einem Gebäude mit Bögen, Säulen, Skulpturen und Bäumen.

Gegensätzliche Demonstrationen in Reutlingen: Frieden vs. Vielfalt polarisieren die Stadt

In Reutlingen fanden am Samstagabend zwei gegensätzliche Demonstrationen statt. Rund 300 Menschen zogen unter dem Motto "Frieden, Freiheit und freie Medien" durch die Stadt, während eine kleinere Gruppe von etwa 70 Personen mit Forderungen nach einem "bunten Reutlingen" dagegenhielt. Die Polizei war mit einem starken Aufgebot vor Ort – darunter auch berittene Einheiten –, um die Lage zu überwachen.

Die Hauptkundgebung wurde von Kevin Brügmann organisiert, der bereits durch Proteste gegen Corona-Maßnahmen und später durch die Initiative "Gemeinsam für Deutschland" bekannt wurde. Teilnehmer trugen deutsche Flaggen und Plakate mit Parolen wie "Ein friedliches Europa mit Russland" oder für die Erhaltung des Bargelds. In Redebeiträgen wurde politische "Heuchelei", "Überwachung" und das kritisiert, was sie als "Provozierorgien" bezeichneten. Unterstützung erhielt die Veranstaltung auch von der Schweizer Gruppe "Freiheitstrychler", die mit Kuhglocken für zusätzlichen Lärm sorgte.

Brügmann und seine Anhänger hatten sich zuvor von "Gemeinsam für Deutschland" distanziert, nachdem bei einer Maikundgebung "rechtsextreme" Teilnehmer aufgetaucht waren. An der Gegenkundgebung beteiligten sich dagegen Vertreter der Linken, der SPD, der Grünen, der Initiative "Omas gegen rechts" sowie der Hilfsorganisation "Drei Musketiere". Im Mittelpunkt standen hier die Förderung von Vielfalt und die Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz’ Äußerungen zu Migration und städtischer Identität. Prominente Persönlichkeiten waren unter den Gegenprotestlern nicht auszumachen.

Die Demonstrationen verliefen unter strenger Polizeiaufsicht weitgehend geordnet. Während die Hauptkundgebung politische Veränderungen und eine engere Anbindung an Russland forderte, betonte die Gegenveranstaltung Inklusion und Kritik an der Regierungssprech. Größere Zwischenfälle blieben aus.