Freiburger Handwerk kämpft mit Bürokratie und Fachkräftemangel – doch die Ausbildung boomt
Mahmut UllmannFreiburger Handwerk kämpft mit Bürokratie und Fachkräftemangel – doch die Ausbildung boomt
Die Handwerkskammer Freiburg hat dringende Forderungen vorgelegt, um lokale Betriebe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu unterstützen. Auf ihrer jüngsten Vollversammlung sprachen sich die Mitglieder für Steuersenkungen, weniger bürokratische Hürden und Reformen der Bauvorschriften aus. Trotz der Herausforderungen zeigt der Sektor eine beachtliche Widerstandsfähigkeit: Die Zahl der Ausbildungsverträge erreichte einen Rekordstand, und die Überlebensrate der Betriebe bleibt stabil.
Die Versammlung der Kammer machte auf die zentralen Probleme der rund 16.000 Betriebe in der Region aufmerksam. Steigende Materialkosten und globale Unsicherheiten haben die Planungssicherheit der Unternehmen stark eingeschränkt, weshalb sie nun politische Lösungen einfordern. Zu den konkreten Forderungen zählen die Abschaffung der Stromsteuer, die Beibehaltung der bestehenden Vergaberegeln für öffentliche Aufträge sowie eine grundlegende Vereinfachung der Bauvorschriften, um überflüssige Bürokratie abzubauen.
Die Ausbildungszahlen haben mit 2.636 neu abgeschlossenen Lehrverträgen ein 20-Jahres-Hoch erreicht. Zudem wird der Sektor vielfältiger, da immer mehr junge Frauen und internationale Bewerber:innen handwerkliche Berufe ergreifen. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen: Die Zahl der Meisterbetriebe geht zurück, und illegale Beschäftigung ist nach wie vor ein Problem. Um Nachwuchs zu gewinnen, setzt die Kammer auf Programme wie JET und das "Botsafter:innen-Programm für die duale Ausbildung". Neue Initiativen wie das "Freiwillige Handwerksjahr" und erweiterte Weiterbildungsangebote über die Gewerbe Akademie sollen zudem helfen, den Fachkräftemangel zu bekämpfen und die Zukunft des Handwerks langfristig zu sichern.
Die Vorschläge der Kammer zielen darauf ab, den Betrieben kurzfristig Entlastung zu verschaffen und gleichzeitig in die langfristige Entwicklung der Fachkräfte zu investieren. Zwar bleiben die Insolvenzraten stabil, doch strukturelle Probleme harren noch der Lösung. Die Rekordzahlen bei den Ausbildungsverträgen deuten auf ein wachsendes Interesse an handwerklichen Berufen hin – doch ob dieser Trend anhält, wird maßgeblich von den anstehenden Reformen abhängen.