Frauenpfahl am Bodensee: Wo grausame Hinrichtungen auf Sagen treffen
Mahmut UllmannFrauenpfahl am Bodensee: Wo grausame Hinrichtungen auf Sagen treffen
Der Frauenpfahl am Bodensee birgt eine düstere Geschichte von Strafe und Hinrichtung
Jahrhundertelang wurden am Frauenpfahl Frauen, die des Diebstahls, der Untreue oder anderer Vergehen beschuldigt wurden, auf grausame Weise ertränkt. Eine tragische Begebenheit aus dem Jahr 1532 gab sogar einem nahegelegenen Abschnitt des Sees seinen Namen – der Gnadensee – nachdem einer Frau im letzten Moment das Leben geschenkt wurde.
Heute ist die Stätte ein unheimlicher, doch beliebter Anziehungspunkt, besonders zu Halloween. Besucher erkunden die schaurige Vergangenheit, während sie die malerischen Ufer des Bodensees genießen, wo weitere Sehenswürdigkeiten wie der Konstanzer Münster und die Blumeninsel Mainau das Erlebnis abrunden.
Ein Ort des Schreckens zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert Frauen, die moralischer Vergehen wie Ehebruch oder Prostitution für schuldig befunden wurden, wurden oft nackt an einen Holzpfahl gebunden, um sie öffentlich bloßzustellen. Manche wurden in Säcke genäht – zusammen mit Tieren wie Katzen oder Schlangen – und anschließend in den See geworfen, um zu ertrinken. Aufzeichnungen belegen ähnliche Hinrichtungen in der Nähe, etwa in Appenzell (1655) oder in Konstanz, wo vergleichbare Strafen vollstreckt wurden.
Einer der berüchtigtsten Fälle betrifft Apollonia, die am 9. November 1532 am Frauenpfahl ertränkt wurde. Doch eine andere Frau gab dem Gnadensee seinen Namen: Der Legende nach versuchte sie, mit ihrem Baby auf dem Arm über den See zum Kloster Reichenau zu fliehen. Da sie das Fährgeld nicht aufbringen konnte, verlor sie ihr Kind in den Wellen. Fischer fanden sie verzweifelt und verwirrt – sie wurde zum Tode verurteilt. Doch der Abt von Reichenau zeigte Gnade und verschonte ihr Leben – seitdem trägt der Seeabschnitt den Namen Gnadensee.
Grausame Strafen in der Region Auch in anderen Orten der Schweiz, etwa in Zürich oder St. Gallen, wurden Frauen zur öffentlichen Demütigung in Schandkörbe gesperrt. Bei Konstanz ertränkte man 1468 vierzig Frauen als Hexen im Rhein. Männer hingegen wurden bis ins 18. Jahrhundert in Thurgau enthauptet oder auf dem sogenannten "Ritterstuhl" hingerichtet – einer Foltervorrichtung, die sie langsam zermalmte.
Heute: Ein schaurig-schöner Ausflugsort Der Frauenpfahl zieht heute besonders zu Halloween Besucher auf abendliche Führungen an. Warme Kleidung und eine Taschenlampe sind ratsam, wer die kühlen Uferpfade erkunden möchte. Im Anschluss lädt eines der gemütlichen Konstanzer Cafés dazu ein, den gruseligen, doch faszinierenden Ausflug ausklingen zu lassen.
Der Frauenpfahl bleibt ein mahnendes Zeugnis vergangener Grausamkeit, dessen Geschichte in lokalen Sagen und Aufzeichnungen bewahrt wird. Heute verbindet er sich mit den anderen Attraktionen des Bodensees – eine Mischung aus schauernden Erzählungen und malerischer Schönheit. Wer zur Halloween-Zeit kommt, erhält einen unheimlichen Einblick in die dunklen Kapitel der Region.






