Finanzkrise in Rottenburg-Stuttgart: Diözese plant radikale Sparmaßnahmen bis 2030
Bernhardine RörrichtKirchen unter Druck - Diözese kürzt erneut Mittel - Finanzkrise in Rottenburg-Stuttgart: Diözese plant radikale Sparmaßnahmen bis 2030
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart befindet sich in einer tiefen Finanzkrise, da die Einnahmen aus der Kirchensteuer weiterhin dramatisch einbrechen. Ohne sofortiges Handeln drohen nach Angaben von Verantwortlichen bis 2027 unvermeidbare drastische Kürzungen. Die Diözese hat nun einen ehrgeizigen Sparplan vorgelegt, um ihre Finanzen in den kommenden zehn Jahren zu stabilisieren.
Die Einnahmen aus der Kirchensteuer, die einst auf stabilen 280 bis 290 Millionen Euro prognostiziert wurden, sollen bis 2027 auf nur noch 246 Millionen Euro sinken. Dieser starke Rückgang zwingt die Diözese, rund 40 Millionen Euro aus ihren Rücklagen abzuheben, um die Fehlbeträge auszugleichen. Die Zuweisungen für die Pfarrgemeinden werden von 183 Millionen Euro im Jahr 2025 auf 167 Millionen Euro im Jahr 2026 reduziert.
Um die finanzielle Belastung zu bewältigen, hat die Diözese das Projekt 'Kirche der Zukunft' ins Leben gerufen. Diese umfassende Reform zielt darauf ab, den Gebäudebestand der Kirche um 30 Prozent zu verringern, digitale Dienstleistungen zu beschleunigen und über 1.000 Pfarrgemeinden zu nur noch 50 bis 80 größeren Einheiten zusammenzufassen. Zudem sollen die Sach- und Personalkosten bis 2030 um 10 Prozent gesenkt werden.
Unmittelbare Entlassungen sind aufgrund der alternden Belegschaft zwar nicht geplant, doch die Umstrukturierung wird schrittweise vorangetrieben. Die Diözese betont, dass die Maßnahmen notwendig seien, um in den kommenden Jahren noch tiefgreifendere Einschnitte zu vermeiden.
Rottenburg-Stuttgart ist mit seinen Problemen nicht allein. Auch andere Bistümer wie Trier und Essen ergreifen ähnliche Maßnahmen. Trier rechnet 2026 mit einem Defizit von 5,7 Millionen Euro, während Essen angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen weitere Einsparungen vorbereitet. Köln hat ebenfalls langfristige Wirtschaftspläne eingeführt, um stagnierende Einnahmen und steigende Kosten zu bekämpfen. Bundesweit werden strukturelle Reformen wie die Hamburger Initiative 'SeSam' oder der 'Synodale Weg' umgesetzt, um den schwindenden Ressourcen zu begegnen.
Mit den Sparmaßnahmen will die Diözese ihre finanzielle Zukunft trotz sinkender Einnahmen sichern. Bis 2030 sollen die Kosten gesenkt, Gebäude zusammengefasst und Pfarrgemeinden neu strukturiert werden. Ohne diese Veränderungen drohten in den folgenden Jahren noch härtere Kürzungen, warnen die Verantwortlichen.