Energiewende im Spannungsfeld: Warum Deutschlands Reservekraftwerke vor dem Aus stehen
Bernhardine RörrichtEnergiewende im Spannungsfeld: Warum Deutschlands Reservekraftwerke vor dem Aus stehen
Deutschlands Energiewirtschaft steht vor einem Dilemma: Wie lassen sich Reservekraftwerke betreiben, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden? Unternehmen wie E.ON und RWE wollen unwirtschaftliche Kraftwerke stilllegen, doch strenge Vorschriften verpflichten sie, Kapazitäten in Bereitschaft zu halten. Die Debatte hat die Diskussion über Kapazitätszahlungen und die Zukunft des deutschen reinen Strommarkts neu entfacht.
Im aktuellen System funktioniert Deutschland als reiner Strommarkt – Kraftwerke verdienen Geld durch den Verkauf von Strom, nicht durch bloße Verfügbarkeit. Das macht es für Reserveanlagen teuer, online zu bleiben, wenn die Nachfrage gering ist. Folglich müssen Unternehmen vor der Stilllegung von Kraftwerken die Zustimmung der Bundesnetzagentur einholen.
Das Land unterhält bereits eine "strategische Reserve" von 2,6 Gigawatt, bestehend aus älteren Kraftwerken, die für Notfälle vorgehalten werden. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) schlägt jedoch vor, diese Reserve auszubauen und zu modernisieren – mit Fokus auf flexible Gasturbinen.
E.ON warnt, dass die Frage der Kapazitätsvergütung – bei der Kraftwerke für ihre potenzielle Leistung bezahlt werden, ähnlich einer Daten-Flatrate im Mobilfunk – weiter bestehen bleibt. Doch die Bundesregierung hat Forderungen nach einem Kapazitätsmarkt wiederholt abgelehnt, selbst eine gemeinsame Lösung mit Frankreich ausgeschlossen. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel lehnt das Konzept weiterhin strikt ab.
Ohne Kapazitätsmarkt müssen Energieunternehmen weiterhin zwischen wirtschaftlichen Zwängen und Versorgungssicherheit abwägen. Die strategische Reserve bleibt ein zentrales Instrument, doch ihre künftige Größe und Flexibilität sind noch Gegenstand der Diskussion. Bis auf Weiteres müssen Betreiber die strengen Stilllegungsregeln einhalten, während die Regierung an ihrer aktuellen Energiepolitik festhält.






