Deutsches Theater feiert Comeback der ultra-langen Aufführungen nach der Pandemie
Bernhardine RörrichtDeutsches Theater feiert Comeback der ultra-langen Aufführungen nach der Pandemie
Deutsches Theater erlebt eine Renaissance ultra-langer Aufführungen
Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen stand eine siebenstündige Inszenierung von Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen auf dem Programm – die Vorstellungen waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Unterdessen bereitet die Berliner Volksbühne die Rückkehr von Peer Gynt vor, dessen erster Teil allein schon acht Stunden dauert.
Der Trend ist nicht neu: Deutsche Bühnen haben sich seit langem mit marathonglangen Stücken angefreundet, von denen manche weit über einen normalen Arbeitstag hinausgehen. Die Tradition der ausufernden Theaterabende reicht Jahrzehnte zurück. Das Regietheater, das in den 1970er- und 1980er-Jahren aufkam, spielte dabei eine zentrale Rolle. Luk Percevals Schlachten bei den Salzburger Festspielen 1999 dauerte zwölf Stunden und setzte Maßstäbe für ausdauerndes Theater. Erst kürzlich brachte das Schauspielhaus Bochum 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne.
Während der Pandemie setzten viele Theater auf kürzere, pausenlose Stücke. Doch nun scheint das Publikum wieder Lust auf längere Erlebnisse zu haben. Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, stieß erstmals 2007 auf eine ultra-lange Produktion. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen – der Deutsche Bühnenverein erfasst keine Spieldauern –, doch die ausverkauften Vorstellungen von Wallenstein deuten darauf hin, dass Marathon-Theater nach wie vor Zuschauer anzieht.
Der Erfolg von Wallenstein und die Rückkehr von Peer Gynt zeigen: Längere Produktionen bleiben gefragt. Während die Pandemie die Aufführungen einst verkürzte, kehren die Theater nun zu anspruchsvollen, zeitintensiven Werken zurück. Das Publikum stellt sich weiterhin der Herausforderung von Theater-Marathons.






