Bundesweites Zertifikat für Gerichtsbegleithunde revolutioniert Zeugenbefragungen
Mahmut UllmannStatt Schweigen: Wie Hunde im Gericht helfen - Bundesweites Zertifikat für Gerichtsbegleithunde revolutioniert Zeugenbefragungen
Deutschland startet erstes bundesweites Zertifizierungsprogramm für Gerichtsbegleithunde und ihre Führer
Die Initiative soll besonders verletzlichen Zeugen – vor allem Opfern sexualisierter Gewalt – helfen, in gerichtlichen Verfahren klarere Aussagen zu machen. Bis Anfang 2026 haben bereits 28 speziell ausgebildete Teams die Qualifikation im Rahmen des neuen Bundesprogramms bestanden.
Die Idee, Hunde in Gerichtssälen einzusetzen, ist nicht völlig neu. In Baden-Württemberg begleiten Tiere seit Jahren Zeugen und Opfer – etwa in Strafverhandlungen, Ermittlungsverfahren, Frauenhäusern oder sogar in der Resozialisierung von Gefangenen. Nun hat Deutschland den Prozess mit einem einheitlichen Ausbildungsprogramm standardisiert.
Die Schulung umfasst sowohl theoretische als auch praktische Elemente und endet mit einer Prüfung, die die Eignung der Hunde für den Gerichteinsatz bewertet. Nicht jedes Tier besteht die Auswahl – nur solche, die auch in emotional aufgeladenen Situationen ruhig bleiben, werden zugelassen. Sobald sie zertifiziert sind, liegen die Hunde leise auf einer Decke neben den Zeugen und bieten während der Befragung eine stabile Präsenz.
Studien zeigen, dass die Interaktion mit einem Hund den Blutdruck senken und die Atmung beruhigen kann, was eine entspanntere Atmosphäre schafft. Für Opfer sexualisierter Gewalt kann der Fokus auf das Tier die Schwierigkeit verringern, Blickkontakt zu halten, und Schamgefühle mindern. Das Halten der Leine oder das Streicheln des Fells bietet einen "Ankerpunkt", der ihnen hilft, kohärentere und detailliertere Aussagen zu machen.
Die Vorteile gehen über das individuelle Wohlbefinden hinaus: Wenn sich Zeugen sicherer fühlen, können Richter und Anwälte qualitativ hochwertigere Aussagen gewinnen – was die Fairness des Verfahrens stärkt. Ein Tierarzt überwacht dabei regelmäßig das Wohlbefinden jedes Hundes, um sicherzustellen, dass die Tiere gesund und zufrieden in ihrer Rolle bleiben.
Der bisherige Erfolg des Programms hat zu Forderungen nach einer flächendeckenden Einführung in ganz Deutschland geführt. Mit 28 zertifizierten Teams, die bereits im Einsatz sind, soll die Initiative in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Das Ziel ist klar: eine unterstützendere Umgebung für Zeugen zu schaffen – ohne die Integrität des Rechtssystems zu beeinträchtigen.






