19 January 2026, 07:54

Baden-Württembergs spannendster Wahlkampf: Junge Wildcards gegen alte Hasen

Eine politische Karte von Deutschland, die Bundesländer, ihre Hauptstädte und Staaten mit ihren Hauptstädten zeigt, wobei jeder Bereich anders gefärbt ist.

Das sind die Spitzenkandidaten der Parteien für die Landtagswahl - Baden-Württembergs spannendster Wahlkampf: Junge Wildcards gegen alte Hasen

Die Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg verspricht ein hart umkämpftes Rennen zu werden – mit einer Mischung aus politischen Newcomern und erfahrenen Kräften, die um die Macht ringen. Unter den Kandidaten will der 37-jährige Manuel Hagel (CDU) als jüngster Ministerpräsident des Landes Geschichte schreiben, während Markus Frohnmaier (AfD) einen ungewöhnlichen Wahlkampf führt, ohne überhaupt ein Mandat im Landtag anzustreben. Gleichzeitig setzt Kim Sophie Bohnen (Die Linke) mit ihrer Forderung nach bezahlbarem Wohnraum auf ein Thema, das ihrer Partei erstmals den Einzug in den Stuttgarter Landtag ermöglichen könnte.

Manuel Hagel, einst Bankangestellter und heute Direktor einer Sparkasse, inszeniert sich als Stimme eines „modern-konservativen“ Kurses und betont regionale Identität – das, was in Deutschland oft mit Heimat umschrieben wird. Gelänge ihm der Sieg, wäre er der jüngste Regierungschef, den Baden-Württemberg je hatte. Sein Wahlkampf könnte kaum stärker kontrastieren zu dem von Markus Frohnmaier, einem Hardliner der AfD mit unkonventionellem Werdegang. Frohnmaier brach die Realschule ab, brach später auch ein Jurastudium ab und übt heute Einfluss in Berlin aus – doch er kandidiert für das Amt des Ministerpräsidenten, ohne sein Mandat in der Bundeshauptstadt aufgeben zu wollen, selbst wenn seine Bewerbung scheitert.

Kim Sophie Bohnen von der Linken kam über ein prägendes Erlebnis zur Politik: Sie beobachtete, wie eine ältere Frau sich kaum noch Lebensmittel leisten konnte. Nun macht sie mit ihrer Kampagne für bezahlbares Wohnen Hoffnung, dass ihre Partei erstmals die Fünf-Prozent-Hürde überspringt. Umfragen deuten auf reale Chancen hin, doch der Erfolg bleibt ungewiss. Auf Seiten der Mitte-Links-Parteien führt Andreas Stoch (SPD) seine Partei zum zweiten Mal in die Wahl – entschlossen, eine Jahrzehntelange Oppositionszeit zu beenden. Hans-Ulrich Rülke (FDP) hat die Abstimmung unterdessen zur „Mutter aller Wahlen“ für seine Partei erklärt und setzt alles darauf, durch eine Koalition mit der CDU aus der Opposition auszubrechen. Mit Cem Özdemir kehrt ein erfahrener Grünen-Politiker und ehemaliger Bundesminister in die Landespolitik zurück – nicht ohne Kontroversen. Als pragmatischer Vertreter des Realos-Flügels gerät er immer wieder mit der eigenen Partei aneinander, etwa in Fragen der Migration oder beim Aus für Verbrennermotoren. Seine Rückkehr verleiht dem Wahlkampf eine zusätzliche Dynamik.

Die Wahl wird entscheiden, ob Baden-Württemberg seinen jüngsten Ministerpräsidenten bekommt oder ob sich die politische Landschaft des Landes grundlegend verändert. Der mögliche Einzug der Linken in den Landtag, die Koalitionspläne der FDP und die inneren Spannungen bei den Grünen verstärken die Unsicherheit. Mit Kandidaten aus höchst unterschiedlichen Lagern könnte das Ergebnis die Regierung des Landes für Jahre prägen.