04 March 2026, 19:12

Baden-Württembergs CDU verliert ihren grünen Kompass im Klimastreit

Ein Plakat mit einer Karte von Alaska in verschiedenen Grüntönen, mit der schwarzen, fetten Schrift "Alaska Climate Adaptation Science Center & Consortium Members" in der Mitte der Karte.

Baden-Württembergs CDU verliert ihren grünen Kompass im Klimastreit

Die baden-württembergische CDU hat sich seit langem als Vorreiter in der Klimapolitik positioniert – eine Haltung, die bis auf ihre bahnbrechende Grüne Charta von 1985 zurückreicht. Dieses frühe Engagement machte das Land zu etwas Besonderem, da es ökologische Ziele mit wirtschaftlichem Wachstum verband – Jahrzehnte, bevor Klimaschutz zum Mainstream wurde. Doch aktuelle Spannungen mit den Grünen und eine sich wandelnde bundespolitische Landschaft setzen den progressiven Ruf der Partei unter Druck.

Der ökologische Fokus der CDU begann in den 1980er-Jahren, als sie Maßnahmen wie ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und höhere Steuern auf umweltschädliche Produkte vorschlug. In den 2000er-Jahren trieb etwa Tanja Gönner, damals CDU-Ministerin, Regelungen voran, die erneuerbare Energien in Neubauten vorschrieben und festlegten, dass 20 Prozent der Wärmeversorgung aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. Solche Schritte festigten den Ruf der Region als Musterländle – ein Vorbild für die Vereinbarkeit von Industrie und Nachhaltigkeit.

2016 machte die CDU den Klimaschutz sogar zu einem zentralen Bestandteil ihrer Identität. Vier Jahre später ging sie ein Bündnis mit den Grünen ein und gelobte, Baden-Württemberg zum globalen Vorzeigeland bei der Emissionsreduktion zu machen. Die Koalition erarbeitete Gesetze, um Windenergieprojekte zu beschleunigen und ehrgeizige Ziele zu setzen. Doch die Zusammenarbeit ist seitdem brüchig geworden, vor allem wegen Streitigkeiten über die Abschwächung von Klimamaßnahmen wie dem Klima-Maßnahmen-Register.

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Die Spannungen spiegeln größere Verschiebungen wider: Auf Bundesebene hat die Union unter anderem die Vorgabe gestrichen, dass ab 2026 65 Prozent der Wärme in Neubauten aus erneuerbaren Energien stammen müssen – eine Entscheidung, die bis in die Amtszeit von Angela Merkel zurückreicht. Zwar bleibt die baden-württembergische CDU im Vergleich zu ihrer Bundespartei progressiver, doch steht sie nun vor einer internen Zäsur. Daniel Hagel, der als Nachfolger von Thomas Strobl gehandelt wird, muss sich mit den langfristigen Folgen dieser politischen Weichenstellungen auseinandersetzen – besonders, da sich die Region schneller erwärmt als erwartet.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2021, das den Staat zu drastischen Emissionskürzungen zum Schutz der Rechte künftiger Generationen verpflichtete, erhöhte den Druck zusätzlich. Während die CDU einst die Klimapolitik prägte, gefährden ihre jüngsten Kompromisse dieses Erbe.

Die baden-württembergische CDU ist nach wie vor klimapolitisch fortschrittlicher als weite Teile ihrer Bundespartei. Doch die jüngsten Konflikte mit den Grünen und die Verwässerung ihrer einst wegweisenden Politik markieren einen Bruch mit der eigenen Tradition. Angesichts der rascheren Erwärmung der Region werden die Folgen dieser Entscheidungen ihre ökologische und politische Zukunft noch lange prägen.