AfD erobert Baden-Württemberg: Wie die Rechtspopulisten Industriearbeiter ködern
Bernhardine RörrichtAfD erobert Baden-Württemberg: Wie die Rechtspopulisten Industriearbeiter ködern
Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat in Baden-Württemberg deutliche Zugewinne erzielt und liegt in Umfragen mittlerweile bei 20 Prozent. Dieser Aufstieg markiert eine Ausweitung über ihre traditionelle Hochburg in Ostdeutschland hinaus. Seit 2022 wirbt die Partei gezielt um Gewerkschaften und Industriearbeiter – durch maßgeschneiderte Kampagnen und Bündnisse mit enttäuschten Betriebsratsvertretern.
In Baden-Württemberg konzentriert sich die AfD seit 2022 auf Industriezentren wie Stuttgart und Heilbronn. Sie organisierte Veranstaltungen in Fabriknähe, verteilte Flugblätter mit Kritik an EU-Politik und den Kosten der Energiewende und gewann ehemalige Gewerkschaftsmitglieder als Sprecher. Während der Streiks 2023 machte sie an Werkstoren Wahlwerbung, und bis Mitte 2025 hatte sie sich mit unzufriedenen Betriebsräten in der Automobilbranche verbündet.
Die Strategie der Partei spricht vor allem Facharbeiter an, die mit den etablierten Parteien unzufrieden sind. Doch ihre wirtschaftlichen Vorschläge bleiben vage: Statt konkreter Arbeitsplatzgarantien fordern sie Einschränkungen beim Streikrecht und bei der Mitbestimmung. Viele AfD-Anhänger in Seminaren der Metallindustrie wirken eher wie Protestwähler denn als überzeugte Rechtsextreme.
Gleichzeitig hat die AfD ihre Verbindungen zur rechtsextremen Gruppe Zentrum vertieft. Die Parteivorsitzende Alice Weidel und Zentrum-Chef Oliver Hilburger traten gemeinsam bei Wahlkampfveranstaltungen auf und erweiterten so ihren Einfluss. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier warnt vor einem "Detroit 2.0"-Szenario und schürt Ängste vor Jobverlusten, um Unterstützung zu gewinnen.
Gewerkschaften werden aufgefordert, mit Gegendruck auf die Unternehmensführungen und klaren Alternativen zu reagieren. Aktivisten betonen, dass kämpferische Arbeitskämpfe und politische Bildungsarbeit den Beschäftigten helfen können, gemeinsame Interessen zu erkennen und sich rechtspopulistischen Narrativen zu widersetzen. Der iranischstämmige Antifaschist Danial Bamdadi erlebt Verzögerungen bei seiner Einbürgerung – offenbar wegen seines politischen Engagements. Sein Fall verdeutlicht die wachsenden Spannungen.
Der wachsende Einfluss der AfD in Baden-Württemberg ist Ergebnis einer gezielten Strategie, sich in der Industriearbeiterschaft zu verankern. Zwar mangelt es ihren wirtschaftlichen Versprechungen an Substanz, doch ihre Botschaften finden bei enttäuschten Wählern Gehör. Gewerkschaften und Aktivisten stehen nun vor der Aufgabe, dieser Entwicklung mit mehr Jobsecurity und gestärkter Solidarität unter Lohnabhängigen entgegenzuwirken.






