111 Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern: Warum Schulen das Thema noch immer ignorieren
Philipp Nette111 Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern: Warum Schulen das Thema noch immer ignorieren
In diesem Jahr jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum 111. Mal. Zwischen 1915 und 1923 wurden im Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier ermordet. Trotz der historischen Bedeutung des Themas bleibt es in deutschen Klassenzimmern weitgehend ausgeklammert.
2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die forderte, den Völkermord an den Armeniern in die Lehrpläne aufzunehmen. Der Beschluss thematisierte auch die eigene Mitverantwortung Deutschlands an den Gräueltaten. Dennoch wird das Thema im Unterricht oft übergangen – wegen überfüllter Lehrpläne, Zeitmangels und fehlender geeigneter Materialien.
Ein Ansatz, dies zu ändern, kommt aus der Literatur. Im März veröffentlichte der Reclam Verlag Laura Cwiertnias Roman "Auf der Straße haben wir andere Namen" als Pflichtlektüre für Schulen. Das Buch behandelt Völkermord, Überleben, Migration und Diskriminierung und bietet Schülerinnen und Schülern einen emotionalen Zugang zum Thema. Swantje Ehlers steuerte ergänzende Kommentare und historischen Kontext bei.
Befürworter argumentieren, dass verbindlicher Unterricht über den Völkermord sicherstellen würde, dass Lernende sein Ausmaß und seine langfristigen Folgen verstehen. Bisher bleibt die Umsetzung in den Schulen jedoch uneinheitlich.
Die Resolution von 2016 setzte klare Erwartungen an die Aufklärung über den Völkermord an den Armeniern. Mit Romanen wie dem von Cwiertnia, die nun auf Schullektürelisten stehen, gab es Fortschritte. Dennoch sind umfassendere Lehrplanreformen nötig, um das Thema flächendeckend im deutschen Unterricht zu verankern.






